Dienstag, 15. Oktober 2019

Geldpolitik Mehr Inflation wagen?

2. Teil: Notenbanken in der Null-Zins-Falle

Doch der US-Leitzins liegt schon bei null, und das seit Dezember 2008. Mehr kann die Fed mit ihren herkömmlichen Mitteln nicht tun, weil Banken negative Zinsen nicht an ihre Kunden weitergeben würden. Von den weitergehenden Notmaßnahmen wie dem massenhaften Aufkauf von Kreditpapieren oder direkten Sonderkrediten an die Banken verabschiedet sich die Notenbank gerade. Denn diese helfen nicht der gesamten Wirtschaft, sondern nur den Banken selbst und einzelnen Sektoren wie den Immobilienmärkten. Hier wäre noch mehr Liquidität eher schädlich.

IWF-Chefökonom Blanchard: "Sind die Kosten von 4 Prozent Inflation wirklich höher als die von 2 Prozent?"
Blanchard schließt aus diesem Dilemma, dass die Geldpolitik vor der Krise zu hart war: "Eine höhere durchschnittliche Inflation, und daher von vornherein höhere nominelle Zinssätze, hätten es ermöglicht, die Zinsen weiter zu senken." Die Fed wäre nicht so schnell an die Null-Zins-Grenze gestoßen. So hätten der Einbruch der Produktion und der Anstieg der Staatsschulden gemildert werden können.

Nun gibt es vielleicht gar keine andere Alternative mehr, um mit den privat und staatlich angehäuften Schuldenbergen fertig zu werden. "Selbst mit Haushaltsdefiziten von nur 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts", rechnet Joachim Fels von Morgan Stanley, "ist die Stabilisierung der Staatsschulden im kommenden Jahrzehnt nur mit durchschnittlicher Inflation über 6 Prozent möglich". So seien die Staaten auch in der Vergangenheit mit hohen Schulden, meist als Folge von Kriegen, fertig geworden: Sie inflationierten sie weg, statt sie zurückzuzahlen.

Die Argumente gegen höhere Inflation liegen auf der Hand. Sie entwertet große wie kleine Sparguthaben und andere Vermögen, zerstört Pläne zur Altersvorsorge, schmälert die Disziplin von Schuldnern und bringt Unsicherheit in die Wirtschaft.

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