Freitag, 13. Dezember 2019

EZB Süße Sünde Inflation

Der Internationale Währungsfonds bekommt gehörig Feuer - unter anderem vom EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark. Höhere Inflationsziele, wie sie das Institut anregte, nicht mit Stark. "Die Öffentlichkeit würde das Vertrauen in die Kaufkraft des Geldes verlieren", warnt der EZB-Spitzenbanker.

Frankfurt am Main - EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark hat den Vorschlag des Internationalen Währungsfonds (IWF) für höhere Inflationsziele als kontraproduktiv abgelehnt. Derzeit sei die Versuchung für die Regierungen groß, nach mehr Inflation zu rufen, um die dramatisch steigenden Schuldenberge auf diesem Weg schneller abbauen zu können, sagte Stark am Donnerstag in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul laut Redemanuskript. "Deshalb ist es wenig hilfreich, die Zentralbanken dazu aufzurufen, ihre Inflationsziele dauerhaft anzuheben", kritisierte das EZB-Direktoriumsmitglied.

Stark: Klare Worte an den IWF
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Stark: Klare Worte an den IWF
Der IWF-Vorstoß lenke von dem derzeit drängendsten Problem ab, dass die Haushaltsprobleme in fast allen Industriestaaten die gesamtwirtschaftliche Entwicklung bedrohten. IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard hatte angeregt, den weitgehenden Konsens unter Notenbankern und Finanzpolitikern zu überdenken und die gewünschte Marke für die Inflation auf 4 Prozent zu verdoppeln. Damit soll nach Ansicht Blanchards größerer geldpolitischer Spielraum in Krisenzeiten gewonnen werden.

Stark widerspricht dieser These: "Ich kann diese Idee, die Inflationsmarke dauerhaft anzuheben, nur zurückweisen." Die Folgen einer solchen Strategie wolle er sich gerade vor dem Hintergrund der Schuldenkrise und der noch immer fragilen Lage an den Finanzmärkten nicht ausmalen, sagte Stark. "Die Öffentlichkeit würde das Vertrauen in die Kaufkraft des Geldes verlieren", warnte der EZB-Spitzenbanker.

Auch Bundesbankchef Axel Weber hat den IWF-Vorstoß scharf kritisiert. Der Vorschlag sei "grob fahrlässig und schädlich", schreibt das EZB-Ratsmitglied in einem Gastbeitrag für die "Financial Times Deutschland". "Der IWF spielt mit dem Feuer." Inflation richte weit mehr Schaden an, als sie Nutzen bringe. Die vom IWF angestoßene "Geisterdebatte" sei geeignet, die Inflationssorgen vieler Menschen anzuheizen. "Der IWF riskiert mit diesem Vorschlag die über Jahrzehnte mühevoll gewonnene Glaubwürdigkeit der Geldpolitik auf dem Altar der Krisenbewältigung zu opfern", warnte Weber.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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