Mittwoch, 18. September 2019

Trotz Quartalsgewinns UBS laufen die Kunden davon

Die Schweizer Großbank UBS hat nach vier Verlustquartalen in Folge im Schlussquartal 2009 wieder einen Milliardengewinn erzielt. Dennoch läuft der Bank weiterhin die Klientel davon: Weltweit zogen Kunden 56 Milliarden Schweizer Franken ab.

Zürich - Das rigide Sparprogramm und eine Steuergutschrift haben die Schweizer Großbank UBS im Schlussquartal in die Gewinnzone zurückgebracht. Zwar zogen die UBS-Kunden erneut Milliarden von ihren Konten ab. Bankchef Oswald Grübel zeigte sich aber zuversichtlich, das Vertrauen seiner Kunden zurückzugewinnen.

UBS-Zentrale in Zürich: Das Bankgeheimnis wackelt, die Kunden ziehen Milliarden ab
REUTERS
UBS-Zentrale in Zürich: Das Bankgeheimnis wackelt, die Kunden ziehen Milliarden ab
Auf das Gesamtjahr gesehen kam die UBS Börsen-Chart zeigen nicht aus den roten Zahlen und schrieb 2,7 Milliarden Schweizer Franken (1,8 Mrd Euro) Verlust. Im Schlussquartal verbuchte die UBS unterm Strich aber einen Gewinn von 1,2 Milliarden Franken. Dabei half eine Steuergutschrift von rund einer halben Milliarde Franken.

Insgesamt sparte die UBS 2009 wie geplant rund 20 Milliarden Franken ein. Das Institut hatte im vergangenen Jahr rund ein Sechstel ihrer Arbeitsplätze abgebaut und beschäftigte Ende 2009 nur noch 65.233 Mitarbeiter. Im vierten Quartal legten die UBS außerdem weniger für Bonuszahlungen zurück als im Vorjahr.

Steueramnestie in Italien, Steuerstreit in den USA

Die Bank gehört zu den größten Verlierern der Finanzkrise: Der Steuerstreit mit den USA sorgte für zusätzliche Verunsicherung bei den Kunden, die in den vergangenen Monaten Milliarden von ihren UBS-Konten abzogen. Im vierten Quartal spürte das Institut nach eigenen Angaben auch die Folgen einer italienischen Steueramnestie, die Kunden veranlasste, ihr Geld woanders anzulegen.

Der sogenannte Netto-Neugeldabfluss, der sich als Saldo von Abflüssen und Neuzuflüssen bei den Kundengeldern ergibt, fiel im vierten Quartal so hoch aus wie noch nie im abgelaufenen Jahr.

56 Milliarden Franken weltweit abgezogen

Der Bereich Wealth Management & Swiss Bank verlor netto 33,2 Milliarden Franken. Dazu kamen zwölf Milliarden im Wealth Management Americas und elf Milliarden Franken im Global Asset Management. Das macht 56,2 Milliarden Franken für den ganzen Konzern.

Einen Lichtblick bot zum Jahresschluss das Investmentbanking, das die Bank in der Finanzkrise fast in den Abgrund gerissen hätte und unter Grübels Führung neu aufgebaut wird. Der Geschäftsbereich kam auf einen Vorsteuergewinn von 297 Millionen Franken nach einem Verlust von 1,37 Milliarden im Vorquartal.

Analysten hatten für den Konzern mit einem Reingewinn von 326 Millionen Franken gerechnet und den Nettoneugeldabfluss mit 24 Milliarden Franken veranschlagt. Konzernchef Grübel zeigte sich zuversichtlich, dass die Maßnahmen zur Bekämpfung der Ursachen der Vermögensabflüsse erfolgreich sein würden.

"Doch für die unmittelbare Zukunft ist nach wie vor mit einer negativen Neugeldentwicklung zu rechnen, verbunden mit einem gewissen Margendruck", erklärte Grübel.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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