SAP-Chefwechsel Niederlage für Hasso Plattner

Mit dem Chefwechsel bei SAP sind die Probleme des Softwareherstellers keinesfalls vom Tisch. Die beiden Nachfolger des geschassten CEO Léo Apotheker müssen verärgerte Kunden und verunsicherte Mitarbeiter wieder hinter sich bringen. Scheitern sie, ist auch SAP-Aufsichtsratschef Hasso Plattner ernsthaft beschädigt.

Bis zuletzt hatte Léo Apotheker sich kampfeslustig gezeigt. Er sei nicht der Typ, der vorschnell aufgibt, sagte der abgetretene SAP-Chef im Dezember gegenüber manager magazin. Und auch bei der Bilanzpressekonferenz am 27. Januar gab er sich betont optimistisch: Das Jahr 2010, so Apotheker, "bedeutet für uns die Rückkehr zum Wachstum".

Doch die Diskussionen um den forschen Rheinländer, der SAP  seit April 2008 zunächst im Tandem mit Henning Kagermann und seit Mai 2009 allein führte, schwelen schon seit Wochen. Denn Schwierigkeiten gab es zuhauf: Umsatzeinbruch, Verspätungen bei Produktinnovationen, Proteste der Kunden. Auf deren Druck musste SAP sogar unlängst eine geplante Erhöhung der Wartungsgebühren aussetzen.

Neben der Kundschaft hatte zuletzt auch die SAP-Belegschaft dem SAP-Primus die rote Karte gezeigt: Ende Januar sprachen nur 50 Prozent der Mitarbeiter in einer internen Befragung ihrem Vorstandschef das Vertrauen aus. Sie störte vor allem dessen ruppiger Führungsstil: Apotheker habe Probleme der Belegschaft nicht ernst genommen, ihren Kritikpunkten kein Gehör geschenkt. "Er hat weder seine eigenen Leute noch die Kunden erreicht", heißt es aus dem Umfeld des Betriebsrats.

Nun sah sich der Aufsichtsrat zum Handeln gezwungen. Angeblich soll Apotheker zunächst ein Einjahresvertrag angeboten worden sein. Ein klarer Misstrauensbeweis für den Vorstandschef, der angetreten war, um SAP langfristig zu modernisieren. Außerdem sei die Variante diskutiert worden, Apotheker mit dem Vorstand Jim Hagemann Snabe einen Co-Chef zur Seite zu stellen. Letztlich fällte das Kontrollgremium in sonntäglicher Sitzung jedoch ein eindeutiges und einstimmiges Urteil: Apothekers Vertrag wird nicht mehr verlängert.

Arbeitnehmervertreter stellen seinem Nachfolger Snabe, der SAP künftig in einer Doppelspitze mit dem Vertriebschef Bill McDermott führen wird, bereits ein ordentliches Zeugnis aus: Der Däne trete wesentlich diplomatischer auf - und fühle sich im Gegensatz zu Apotheker dem SAP-Standort Walldorf verbunden.

Doch die Probleme des Softwareherstellers sind mit dem Führungswechsel keinesfalls vom Tisch. Wollen die Walldorfer nicht zum bedeutungslosen Nischenanbieter verkommen, müssen sie ihren angekündigten Modernisierungskurs schleunigst forcieren. Wird SAP indes weiterhin durch interne Querelen gelähmt, droht der Konzern im globalen Wettbewerb mit schlagkräftigen Anbietern wie Oracle weiter ins Hintertreffen zu geraten.

Fest steht auch: Die aktuelle Unsicherheit kratzt erheblich am Image der grauen Eminenz im Hintergrund. Hasso Plattner, SAP-Mitbegründer und Aufsichtsratschef, galt als Fürsprecher Apothekers. Er war es, der ihm den Chefposten letztlich ermöglicht hat. Apothekers Abgang ist damit auch eine herbe Niederlage für Plattner.

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