Montag, 15. Juli 2019

Geldnot Musikverlag EMI kämpft ums Überleben

Das Musiklabel EMI steht am Rande des Abgrunds. Seit der Übernahme durch den Finanzinvestor Terra Firma häufen sich die Probleme. Der Jahresverlust bewegt sich bereits im Milliardenbereich. Das Unternehmen braucht dringend frisches Geld - aber von wem soll das kommen?

Hamburg - Einst gehörte der Musikkonzern EMI mit Künstlern wie den Beatles, Depeche Mode oder Robbie Williams zu den Stars der Branche - nun kämpft das britische Unternehmen ums Überleben: Seit der Übernahme durch den Finanzinvestor Terra Firma vor zweieinhalb Jahren häufen sich die Probleme massiv. Am Donnerstagabend warnte EMI vor Zahlungsschwierigkeiten, nachdem sich der Schuldenberg immer höher auftürmte und das Unternehmen noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht war.

Aushängeschild: Herbert Grönemeyer ist bei EMI unter Vertrag - aber wie lange noch?
DDP
Aushängeschild: Herbert Grönemeyer ist bei EMI unter Vertrag - aber wie lange noch?
Im Geschäftsjahr bis Ende März 2009 machte EMI unterm Strich einen Verlust von 1,56 Milliarden Pfund (rund 1,8 Milliarden Euro) - im Vorjahreszeitraum war es ein Minus von 412 Millionen Pfund. Schuld daran waren Abschreibungen von mehr als einer Milliarde Pfund vor allem auf den Wert des Musikkatalogs. Wenn die Investoren von Terra Firma kein neues Geld zuschießen, könnten die Gläubiger von der Citigroup schon bald das Ruder bei EMI übernehmen.

Im März steht die Überprüfung von Kreditverträgen an - und dabei wird EMI ohne frisches Geld möglicherweise durchfallen. Die Unternehmensprüfer von KPMG warnten im EMI-Geschäftsbericht davor, dass der Traditions-Musikverlag seinen Vertragsverpflichtungen nicht nachkommen könnte. Die Schulden überstiegen das Betriebsvermögen um 408 Millionen Pfund. KPMG meldete deshalb "erhebliche Zweifel" an, ob EMI unter diesen Umständen den laufenden Betrieb fortsetzen könne.

Die Stones wechseln zur Konkurrenz

Der Finanzinvestor hatte EMI im August 2007 zur Boomzeit der Private-Equity-Fonds übernommen. Damals zahlte Terra-Firma-Chef Guy Hands 2,4 Milliarden Pfund für das Plattenlabel, bei dem auch Herbert Grönemeyer und die Band Wir Sind Helden unter Vertrag stehen. Doch die teure Übernahme entpuppte sich als Fehlinvestition, da EMI schon zuvor kriselte und Verluste schrieb. Grund sind unter anderem illegale Musikdownloads und sinkende CD-Verkäufe, die der ganzen Branche zu schaffen machen.

EMI ist zudem der Mittelpunkt eines Rechtsstreits zwischen Terra Firma und der Citigroup. Terra Firma verlangt eine Entschädigung, weil die Bank den Investor beim Kauf von EMI angeblich getäuscht hatte. Demnach soll die Citigroup den Preis in die Höhe getrieben haben, indem sie nicht deutlich gemacht habe, dass ein Bieter sich zurückgezogen hatte.

Bei EMI brodelt es derweil weiter. Im Zuge eines Sparprogramms fielen bereits 2000 Stellen weg. Das Gerangel seit der Übernahme schuf auch Misstöne mit den Künstlern. Die Rolling Stones wechselten 2008 nach mehreren Jahrzehnten zum Konkurrenten Universal Music. Auch die Band Radiohead kehrte EMI den Rücken. Paul McCartney rechnete mit seiner ehemaligen Plattenfirma ab und nannte sie "langweilig". Auch die britische Sängerin Joss Stone kämpft derzeit um einen Ausstieg aus dem Label. Der Konzern verliert somit weiter Anschluss zu Konkurrenten wie Universal Music und Warner Music Börsen-Chart zeigen.

Guy Hands soll bereits an seine Investoren herangetreten sein, um eine weitere Finanzspritze von 120 Millionen Pfund aufzutreiben. Doch dies wäre allenfalls eine kurzfristige Linderung: "Gutes Geld etwas Schlechtem hinterherzuschmeißen, ist selten die richtige Option", schrieb die Wirtschaftszeitung "Financial Times". Terra Firma solle seine Niederlage eingestehen und weiterziehen. Und in der Branche gilt EMI sowieso seit langem als Übernahmekandidat. Jahrelang hatte beispielsweise Warner eine Verschmelzung mit EMI im Auge.

manager magazin mit Material von dpa

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