Deutsche Bank Ackermann muss Millionenboni erklären

Mehr als zwei Drittel des Milliardengewinns der Deutschen Bank stammen aus dem Investmentbanking. Die Starbanker Michael Cohrs und Anshu Jain werden bald ihre Bezüge offenlegen müssen. Doch selbst wenn die Boni der "Regenmacher" keinen neuen Proteststurm auslösen: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ist gezwungen, sein Geschäftsmodell grundlegend zu überdenken.
Von Ulric Papendick

Wenn Manager der Deutschen Bank in nicht-öffentlichen Veranstaltungen über ihr Geldhaus sprechen, klingt das bisweilen so: "Wir sind eine indo-amerikanische Investmentbank unter Schweizer Leitung." Eine durchaus treffende Beschreibung angesichts der Zahlen, die Bankchef Josef Ackermann heute der Öffentlichkeit präsentiert hat. Mehr als zwei Drittel des beachtlichen Jahresgewinns von fünf Milliarden Euro, den die Deutsche Bank  im Jahr 2009 einfuhr, stammen von den in London und New York operierenden Investmentbankern des Geldhauses.

Geführt werden diese Truppen von einem Inder, Anshu Jain (46), und einem Amerikaner, Michael Cohrs (53). In der Finanzkrise beinahe abgetaucht, sind die beiden Starbanker längst wieder obenauf. In diesen Wochen verteilen sie wieder reichlich Boni an ihre Truppen, fast so als hätte es die Krise nie gegeben. 11,3 Milliarden Euro gab die Deutsche Bank 2009 für Löhne und Gehälter aus, fast ein Fünftel mehr als im Jahr zuvor.

Was die beiden Top-Investmentbanker selber verdienen, blieb in der Bank in den vergangenen Jahren stets ein wohl gehütetes Geheimnis. Das ist diesmal anders: Da Jain und Cohrs vergangenes Jahr in den Vorstand eingezogen sind, muss die Bank ihre Gehälter im nächsten Geschäftsbericht publik machen. Wie viel der deutsche Branchenprimus seinen Regenmachern überweisen muss, wird sich also bald zeigen. In guten Jahren sollen es hohe zweistellige Millionenbeträge gewesen sein.

Die Kommunikationsprofis der Bank,berichten Insider, rätseln schon seit Wochen darüber, wie man solch stattliche Summen der Öffentlichkeit begreiflich machen kann, ohne einen neuerlichen Proteststurm gegen gierige Banker heraufzubeschwören.

Ohnehin wird sich die Bank bald überlegen müssen, ob sie auch in Zukunft auf ihre teuren Kapitalmarktprofis setzen will. Wenn sich US-Präsident Barack Obama mit seinem Plan durchsetzen sollte, das Kapitalmarktgeschäft vom klassischen Kredit- und Einlagenbereich zu trennen, muss der Schweizer Ackermann, der diesen Sonntag 62 Jahre alt wird, sein Geschäftsmodell grundlegend überdenken. Notfalls bliebe Ackermann oder seinem Nachfolger nichts anderes übrig, als die Bank zu zerteilen. Als erklärter Fan des Kapitalmarktgeschäfts würde Ackermann wohl eher dazu tendieren, die Deutsche Bank notfalls komplett zu einer Investmentbank umzubauen.

Der aktuelle Milliardengewinn mag eine solche Entscheidung erleichtern. Doch es ist erst ein Jahr her, dass die Investmentbanker ein Minus von 8,5 Milliarden Euro vor Steuern in die Bilanz der Bank rissen. Auch das sollten Ackermann und Co. bei ihrer Neuausrichtung der Bank bedenken.

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