Munich Re Gut beobachtet, Herr Bomhard!

Die Munich Re ist so gut durch die Finanzkrise gekommen wie kein anderer deutscher Finanzkonzern. An der Spitze des weltgrößten Rückversicherers steht mit Nikolaus von Bomhard ein Manager, dem bis heute das Image eines Langweilers anhaftet. Zum Glück hat er nie versucht, daran etwas zu ändern.
Von Arne Stuhr

Paukenschlag zum Tagesstart. Die Munich Re meldete heute Morgen für das Krisenjahr 2009 einen überraschend hohen Milliardengewinn. Auf 2,56 Milliarden Euro (Vorjahr: 1,58 Milliarden Euro) konnte der weltgrößte Rückversicherer sein Konzernergebnis hochschrauben. Angepeilt hatten die Münchener einen Gewinnkorridor von 2,2 bis 2,5 Milliarden Euro.

Klar, auch in den Zahlen aus der Königinstraße sind die Spuren der Krise nicht zu übersehen. 2007 und 2008 hatte der Finanzkonzern knapp 4,4 Milliarden Euro an Eigenkapital verloren. Diese "stillen Verluste" konnten 2009 durch ein Eigenkapital-Plus von 1,2 Milliarden Euro nur teilweise ausgebügelt werden. Und auch das Erstversicherungsgeschäft (Ergo-Gruppe) kommt mit seinem Miniwachstum von 3 Prozent und dem dünnen Gewinnbeitrag von 175 Millionen Euro nicht so recht vom Fleck.

Angesichts des Gesamtergebnisses und eines überwiegend organischen Wachstums des Kerngeschäfts mit Rückversicherungen von 10 Prozent könnte sich Munich-Re-Vormann Nikolaus von Bomhard dennoch mit Recht ein wenig feiern lassen. Allein, die erste Reihe ist die Sache des 53-jährigen Juristen nicht.

"Ich lebe in einer Mietwohnung und bin krankenversichert in der AOK", beschrieb von Bomhard im manager magazin vor einiger Zeit in einem Gespräch mit dem Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger seine Positionierung zum Thema Geld und Luxus. "Wenn Geld mich überhaupt motiviert, dann nicht lange. Ich gebe aber zu: Es beruhigt."

Diese Grundhaltung scheint ihn von vielen Abenteuern, in welche sich die Konkurrenz in den vergangenen Jahren gestürzt hat, abgehalten zu haben. So kaufte er weder eine Bank - das Desaster der Allianz mit der Dresdner Bank lässt grüßen - noch legte er sich massenhaft toxische Papiere ins Portfolio. Dass es 2009 keine großen (versicherten) Naturkatastrophen gab, darf man daher wohl als das Glück des Vorsichtigen bezeichnen.

Der neue Munich-Re-Großaktionär Warren Buffett hat einmal gesagt, "man muss eine Firma kaufen, die jeder Idiot führen kann - bevor ein Idiot das Ruder übernimmt". Der stille Netzwerker von Bomhard würde es wohl etwas anders ausdrücken. "Ich bin auch Beobachter. Eine wesentliche Aufgabe meiner Funktion ist es, herauszufinden, was sich in der Gesellschaft im weitesten Sinne zuträgt", so der mit einer Amerikanerin verheiratete Golfspieler und Opernfreund im Enzensberger-Gespräch. Angesichts der 2009er-Bilanz kann man wohl sagen: Gut beobachtet, Herr Bomhard!

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