Dienstag, 22. Oktober 2019

Iran-Geschäft Siemens zieht sich zurück

Der Siemens-Konzern gibt freiwillig Neugeschäft im Iran auf. Andere deutsche Konzerne sehen keinen Anlass für einen Rückzug. Die Bundesregierung prescht vor und fordert weitere internationale Sanktionen gegen den Golfstaat.

Berlin/Frankfurt am Main - Siemens Börsen-Chart zeigen hat angekündigt, keine neuen Aufträge aus dem Iran mehr anzunehmen. "Schon seit längerem haben wir unsere Geschäftsaktivitäten mit Kunden im Iran reduziert", sagte Firmenchef Peter Löscher am Dienstag auf der Hauptversammlung des Konzerns in München. Der Siemens-Vorstand habe zu Beginn des aktuellen Geschäftsjahres beschlossen, keine neuen Aufträge aus dem Iran mehr anzunehmen. Die letzten rechtlich bindenden Angebote aus der Zeit davor liefen Mitte 2010 aus. Bestehende Verträge werde Siemens allerdings erfüllen.

Großer Markt: Bayer und BASF wollen im Iran aktiv bleiben
Die Geschäfte mit dem Iran hätten ohnehin ausschließlich zivilen Charakter, das Unternehmen liefere vor allem um Infrastruktur-, Verkehrs- und Medizintechnik. Nach Konzernangaben macht Siemens jährlich rund eine halbe Milliarde Euro und damit weniger als 1 Prozent des Gesamtumsatzes im Iran. Siemens war über das Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks ins Visier öffentlicher Empörung geraten, da die Firma Telefonnetzanlagen in den Iran geliefert hat, mit denen angeblich Privatgespräche in staatlichen Auftrag abgehört werden können.

Der Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern Bayer Börsen-Chart zeigen plant einem Sprecher zufolge dagegen keine Änderungen. Bayer ist mit Arzneien, Saatgut und Pflanzenschutzmittel sowie Schaumstoffen im Iran aktiv. Der Anteil am gesamten Konzernumsatz ist aber gering. Auch Chemiebranchenprimus BASF Börsen-Chart zeigen sieht nach Angaben einer Sprecherin momentan keinen Grund, seine Geschäftsaktivitäten einzuschränken oder einzustellen.

Die deutsche Wirtschaft hat auch im vergangenen Jahr gute Geschäfte mit dem Iran gemacht. Bis Ende November exportierten Unternehmen Waren im Wert von rund 3,3 Milliarden Euro in die Islamische Republik, die wegen ihres Atomprogramms international in der Kritik steht. Das entspricht zwar einem Exportrückgang von 8 Prozent, die gesamten Ausfuhren Deutschlands brachen wegen der weltweiten Wirtschaftskrise mit 19,9 Prozent allerdings mehr als doppelt so stark ein.

Wie aus den Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervorgeht, die Reuters am Mittwoch vorlagen, liefern deutsche Konzerne vor allem Maschinen, Chemieprodukte und Metalle. Deutschland ist traditionell einer der wichtigsten Handelspartner des Iran, dessen Regierung auch wegen ihres harten Vorgehens gegen die Opposition kritisiert wird. Ein iranischer Staatsfonds ist seit den 70er Jahren Großaktionär von ThyssenKrupp Börsen-Chart zeigen, hat seinen Anteil inzwischen aber unter 5 Prozent reduziert und seinen Sitz im Aufsichtsrat aufgegeben.

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