Montag, 24. Februar 2020

Weltwirtschaftskrise 2009 Krise hoch drei

Deutschland und die Welt haben eine Rezession durchlitten, die zu einem historischen Ereignis wurde. Das Zusammenballen gleich mehrerer Fehlentwicklungen in einem einzigen Jahr hat zu einem in der Geschichte der Bundesrepublik nie da gewesenen Abschwung geführt - gar zu einer Vertrauenskrise in unsere Wirtschaft. Und ganz nebenbei zu einer Krise der Wirtschaftswissenschaften.

Die Bundesrepublik hat den schwersten Crash ihrer Geschichte hinter sich. Deutschlands Wirtschaftsleistung rutschte im Vorjahr um sage und schreibe 5 Prozent verglichen mit dem Jahr 2008 ins Minus. Das ist viel. Viel mehr sogar, als ältere Generationen nach dem Zweiten Weltkrieg je aushalten mussten. Zum Vergleich: Nach der Ölkrise, dem bisher schlimmsten wirtschaftlichen Einbruch vor nahezu einem Vierteljahrhundert, rutschte Deutschlands Bruttoinlandsprodukt gerade einmal um 0,9 Prozent in den roten Bereich.

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Doch nicht nur die schiere Wucht des Vorjahres-Crashs macht die Rezession des Jahres 2009 zu einem historischen Ereignis. Die gerade erst endende Krise war eine, die aus zu vielen gleichzeitigen Krisen bestand. Und gerade die Simultanität dieser wirtschaftlichen Verwerfungen macht sie einzigartig.

Plötzlich trat der allgemeine, an sich normale konjunkturelle Abschwung seit dem zweiten Quartal des Jahres 2008 hierzulande mit zwei weiteren krisenhaften Ereignissen im Jahr 2009 gemeinsam zutage: Der Finanzkrise, die Schritt für Schritt erst die Bankensysteme in bedeutenden etablierten Volkswirtschaften und dann die übrigen Unternehmen dort erschütterte; auch in der Bundesrepublik. Und einer Strukturkrise speziell in Deutschland, die auch noch eine der bedeutendsten hiesigen Industrien traf - die Automobilwirtschaft. Diese gleichzeitige Zusammenballung mehrerer Schocks, die Krise hoch drei, war es dann auch, die selbst für die vergleichsweise starke Volkswirtschaft wie die deutsche schlicht zu viel wurde. Und sie zeitweise abstürzen ließ.

Die Simultanität des Abschwungs ließ die Exporte der hiesigen Unternehmen in viele Staaten gleichzeitig wegbrechen - fast drängt sich ein Vergleich mit der ostdeutschen Wirtschaft auf, die nach der deutschen Einheit Ähnliches in ihrem damaligen Absatzgebiet in Osteuropa wegstecken musste. Und es noch weniger verkraftete. Zudem wollten sich plötzlich speziell für Investitionsgüter kaum noch Käufer finden. Aber die machen etwa 40 Prozent aller deutschen Ausfuhren aus. Das erklärt auch, warum die Bundesrepublik von der Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr schwerer getroffen wurde, als manch andere entwickelte Volkswirtschaft.

Doch 2009 wird darüber hinaus noch als das Jahr der Fehlprognosen in die Geschichte Deutschlands eingehen. Nie zuvor haben die Wirtschaftsauguren mit ihren Vorhersagen und Warnungen so meilenweit daneben gelegen, wie in der Wirtschaftskrise des Vorjahres. Noch im Herbst 2008 beispielsweise sagten die führenden hiesigen Forschungsinstitute gerade einmal das Abflauen des deutschen Wirtschaftswachstums auf 0,2 bis 0,8 Prozent hinaus - heraus kam das Riesenminus von 5 Prozent.

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