Donnerstag, 22. August 2019

Leiharbeit "Schlecker ist kein Einzelfall"

Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat Konsequenzen aus den Vorwürfen des Missbrauchs von Leiharbeit durch die Drogeriemarktkette Schlecker gefordert. Der DGB verlangt eine Reform der Zeitarbeitsregeln, die von der früheren rot-grünen Bundesregierung auf den Weg gebracht wurden.

Schlecker-Zentrale: "Wir erleben seit Jahren den schleichenden Prozess, dass Stammbelegschaften durch Leiharbeitnehmer ersetzt werden"
Essen - "Schlecker ist kein Einzelfall", sagte der nordrhein-westfälische DGB-Vorsitzende Guntram Schneider den Zeitungen der "WAZ"-Gruppe (Dienstagsausgabe). Auch in Branchen wie der Metall- und Elektroindustrie oder im Maschinenbau gebe es Betriebe, die eigene Leiharbeitsfirmen gegründet hätten, um ihre Stammbelegschaften zu ersetzen.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wirft dem Drogeriediscounter Schlecker vor, kleinere Filialen zu schließen, den Angestellten zu kündigen und für neu eröffnete sogenannte XL-Märkte Personal fast ausschließlich über eine Leiharbeitsfirma zu deutlich schlechteren Bedingungen einzustellen. Schlecker wies die Vorwürfe zwar entschieden zurück, kündigte aber an, die Zusammenarbeit mit der Firma auslaufen lassen zu wollen.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte sich zuvor alarmiert gezeigt und eine Überprüfung angekündigt. Die SPD forderte die Regierung am Montag auf, "den offenkundigen Missbrauch von Leiharbeit zu unterbinden".

DGB-NRW-Chef Schneider sagte, die Leiharbeiter würden vom Einkommen bis zu den Arbeitsbedingungen schlechter behandelt. "Wir erleben seit Jahren den schleichenden Prozess, dass Stammbelegschaften durch Leiharbeitnehmer ersetzt werden." Dies sei ein "sozialer Skandal". Er forderte eine Reform der Zeitarbeitsregeln, die von der früheren rot-grünen Bundesregierung auf den Weg gebracht wurden. Künftig müsse wieder das Prinzip "gleiches Geld für gleiche Arbeit" gelten, sagte Schneider.

manager-magazin.de mit Material der Nachrichtenagenturen

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