Insiderhandel Ex-McKinsey-Berater legt Geständnis ab

"Anil, Du bist ein Held." Mit diesen Worten soll der Hedgefondsgründer Raj Rajaratnam seinen Tippgeber Anil Kumar gelobt haben, nachdem dieser ihn mit Insiderinformationen versorgt hatte. So lautet zumindest die Version des Ex-McKinsey-Beraters Kumar, der vor Gericht ein Geständnis ablegte.

New York - In der Insideraffäre an der New Yorker Börse hat einer der Beschuldigten ein Geständnis abgelegt. Der frühere McKinsey-Berater Anil Kumar gab am Donnerstag laut Medienberichten vor einem Gericht in Manhattan zu, den im Fokus der Ermittlungen stehenden Hedgefondsgründer Raj Rajaratnam illegal mit geheimen Informationen versorgt zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft Rajaratnam vor, mit seinem Wissensvorsprung mindestens 36 Millionen Dollar Gewinn bei Börsengeschäften eingestrichen zu haben.

Kumar verriet Rajaratnam nach diesen Angaben frühzeitig, dass der Chipkonzern AMD  den kleineren Grafikchip-Produzenten ATI schlucken wollte. Und das, noch bevor erste Spekulationen über das Geschäft in der Presse auftauchten. Kumar war in der Zeit als Berater bei AMD tätig. Rajaratnam habe ihm daraufhin gesagt: "Anil, Du bist ein Held." Laut den Ermittlern soll alleine dieses Geschäft Rajaratnam 19 Millionen Dollar eingebracht haben.

Insgesamt kassierte Tippgeber Kumar nach eigenen Angaben von 2004 bis 2009 bis zu zwei Millionen Dollar. Da er das Geld wiederum in den Hedgefonds Galleon von Rajaratnam investierte, seien daraus 2,6 Millionen Dollar geworden, hieß es.

Kumar ist laut "New York Times" einer von sieben Beschuldigten, die einen Deal mit der Staatsanwaltschaft vereinbart haben, um mildere Strafen zu bekommen. Rajaratnam indes bestreitet die Vorwürfe vehement. Er verlangte jüngst, seine Kaution von 100 Millionen, die ihn bisher von der U-Haft bewahrte, auf 20 Millionen Dollar abzusenken. Ermittler fürchten allerdings eine erhöhte Fluchtgefahr.

Der in Sri Lanka geborene Finanzjongleur besitzt in seinem Heimatland noch großes Vermögen, das dem Zugriff der US-Justiz entzogen ist.

Gegen Rajaratnam war Mitte Dezember Anklage erhoben worden. Er und insgesamt 21 Komplizen sollen mit Hilfe von Insiderinformationen aus verschiedenen Unternehmen hohe Gewinne eingestrichen haben. Von dem Skandal betroffen sind auch US-Topkonzerne wie der IT-Gigant IBM  sowie neben AMD  auch dessen größerer Rivale Intel . Zudem sollen Aktien des Internetkonzerns Google  illegal gehandelt worden sein. Erste ranghohe Mitarbeiter einiger der genannten Unternehmen mussten bereits gehen und müssen sich nun vor Gericht verantworten.

Durch den Fall Rajaratnam war ein ganzes Netzwerk von Insiderhandel aufgeflogen. Neben Staatsanwaltschaft und FBI ist die US-Börsenaufsicht SEC an den Ermittlungen beteiligt. Sie spricht von illegalen Gewinnen von 53 Millionen Dollar. Der Skandal erschüttert die Wall Street seit Wochen.

Das Handeln mit Aktien aufgrund geheimer Vorabinformationen ist verboten, weil es andere Anleger benachteiligt. Mit dem Wissensvorsprung kann abgeschätzt werden, wie sich Kurse entwickeln. Auf diesem Weg lässt sich auf Kosten anderer Aktionäre viel Geld verdienen.

manager magazin mit Material von dpa