HWWI Europa vor wirtschaftlichem Abstieg

Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts, sagt Europa den wirtschaftlichen Abstieg voraus. Der HWWI-Chef warnt allerdings davor, mit Fatalismus, Pessimismus, Abwehr oder Abschottung auf den europäischen Bedeutungsverlust zu reagieren.

Hamburg - Im kommenden Jahrzehnt wird Europa "aus dem Zentrum an den Rand" des globalen Wirtschaftsgeschehens gedrängt werden und "in die zweite Liga" absteigen, so Straubhaar in einem am Donnerstag veröffentlichten Aufsatz.

"China und die USA werden als bipolares Gravitationszentrum die Zukunft der Weltwirtschaft bestimmen", heißt es in dem Schriftstück. Die europäischen Unternehmen, die in ihren gesättigten und aufgrund der demografischen Entwicklung schrumpfenden Märkten ihre Umsätze kaum noch steigern könnten, müssten "auf Gedeih und Verderb" auf die "dynamisch wachsende Nachfrage Südostasiens" setzen.

Straubhaar warnt davor, mit Fatalismus, Pessimismus, Abwehr oder Abschottung auf den europäischen Bedeutungsverlust zu reagieren. "Es gilt, die gewaltigen Chancen asiatischer Märkte zu nutzen, ohne in einseitige Abhängigkeiten zu kommen", schreibt er. Dazu sei allerdings ein Perspektivwechsel nötig.

Asiatische Verhaltensweisen, Benimmregeln, Rechtsverständnis, Führungs- und Organisationslehren müssten wie Englisch oder angelsächsisches Kulturverständnis zum Standardangebot in europäischen Betrieben werden. "Denn wer ohne Kompass in den unbekannten Osten geht, kann sich allzu rasch verirren", argumentiert Straubhaar.

Als Hauptgrund für die Veränderungen sieht der HWWI-Präsident den demografischen Wandel. Unter den künftigen "G2" - China und USA - sieht er deshalb auch China als stärkeren Part. Der amerikanische Verbraucher, bisher Hauptmotor der Weltwirtschaft, habe zudem mit Schulden und Finanzproblemen zu kämpfen.

"Anstatt am Konsumtropf der USA wird die Weltwirtschaft im kommenden Jahrzehnt nun am Tropf der chinesischen Regierung hängen", sagt Straubhaar voraus. Fortschritte bei den WTO-Verhandlungen, die neue Architektur der internationalen Finanzmärkte oder eine globale Nachhaltigkeits- und Klimaschutzpolitik seien aber nur mit gemeinsamer Unterstützung von China und der USA möglich.

manager-magazin.de mit Material von ddp