Bauindustrie "Unsere Sorge richtet sich auf 2011"

Die Wirtschaftskrise verläuft für das Baugewerbe bislang noch vergleichsweise glimpflich. Richtig schwierig wird es nach Angaben des Industrieverbandes HDB aber, wenn demnächst kein Geld mehr aus den staatlichen Konjunkturpaketen fließt. Im laufenden Jahr seien die Auswirkungen noch nicht zu befürchten - aber danach.

Berlin - Die deutsche Bauwirtschaft hofft, 2010 trotz weiter sinkender Umsätze mit einem blauen Auge davon zu kommen. Mit Auslaufen der Konjunkturpakete könnte dann aber 2011 zum eigentlichen Krisenjahr der Branche werden, teilte der Industrieverband HDB am Donnerstag mit. "Das deutsche Bauhauptgewerbe hat die konjunkturelle Talsohle noch längst nicht erreicht", sagte HDB-Präsident Herbert Bodner.

2010 dürften die Umsätze um 1,5 Prozent sinken, nach einem erwarteten Rückgang von 4 Prozent im vergangenen Jahr. Auch wenn sich die gesamte Konjunktur nach der Rezession 2010 allmählich stabilisieren sollte, sieht sich die Bauwirtschaft weiter im Abschwung. "Daran können auch die Konjunkturprogramme nichts ändern", betonte Bodner.

Die Zuwächse im öffentlichen Bau und die Stabilisierung im Wohnungsbau dürften die anhaltende Talfahrt im Wirtschaftsbau zwar mildern, aber nicht ausgleichen. "Unsere Sorge richtet sich deshalb heute eher auf das Jahr 2011", sagte der Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB). Es sei nicht auszuschließen, dass die weltweiten Konjunkturpakete Ende 2010 auslaufen, ohne dass der Wirtschaftsbau die konjunkturelle Talsohle verlassen habe.

"Das dritte Jahr der Wirtschaftskrise könnte dann zum eigentlichen Krisenjahr der deutschen Bauwirtschaft werden", sagte Bodner, der Chef des Baukonzerns Bilfinger Berger ist. Glimpflich sind 2009 vor allem die Beschäftigten durch die Krise gekommen. Trotz Rückgängen bei Produktion und Umsatz hielten die Betriebe nach HDB-Angaben ihre Mitarbeiterzahl konstant bei etwa 700.000. Im laufenden Jahr dürfte es allenfalls zu einem leichten Jobabbau kommen.

Mit ihrer Prognose liegt die Industrie fast gleichauf mit dem Dachverband des Mittelstands (ZDB). Der ZDB erwartet für 2010 ebenfalls einen Umsatzrückgang von 1,5 Prozent und geht davon aus, dass es im vergangenen Jahr ein Minus von 3,8 Prozent gab. Auch die Mittelständler rechnen für dieses Jahr nur mit einem geringen Verlust von Arbeitsplätzen.

manager magazin mit Material von reuters

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