Samstag, 19. Oktober 2019

Konsum Düstere Bilanz für den Einzelhandel

2009 war erwartungsgemäß kein gutes Jahr für den deutschen Einzelhandel. Die Umsätze gingen ersten Schätzungen zufolge deutlich zurück. Selbst das Weihnachtsgeschäft brachte offenbar kaum Impulse. Hinzu kommt: Auch der Ausblick fällt enttäuschend aus. Dabei sollte der Konsum Experten zufolge zur Stütze des Aufschwungs werden.

Hamburg - Der deutsche Einzelhandel hat das Krisenjahr 2009 mit einem deutlichen Umsatzminus abgeschlossen. Die Einnahmen sanken zwischen 2,5 und 2,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in einer Schätzung auf Basis der bis November vorliegenden Daten mitteilte.

Seltenes Bild: So viele Kunden können die Einzelhändler nicht oft begrüßen
Bereinigt um Preisschwankungen (real) belief sich das Minus auf 1,9 bis 2,1 Prozent. Verglichen mit anderen Branchen kamen Supermärkte, Fachgeschäfte und Kaufhäuser aber glimpflich davon. Die Exporteure etwa rechnen mit einem Umsatzeinbruch von 18 Prozent.

Der Einzelhandel profitierte lange Zeit von stabilen Preisen und dem robusten Arbeitsmarkt. Am Jahresende hielten sich die Verbraucher allerdings merklich zurück. Im November, in dem das wichtige Weihnachtsgeschäft startet, nahm der Einzelhandel 1,2 Prozent weniger ein als im Vormonat. Das war der stärkste Rückgang seit Jahresbeginn. Preisbereinigt betrug das Minus 1,1 Prozent. Experten hatten dagegen mit einem Plus von 0,2 Prozent gerechnet. Ergebnisse für Dezember liegen noch nicht vor.

Im Vergleich zu November 2008 hatten die Einzelhändler 3,1 Prozent weniger in den Kassen. Der Internet- und Versandhandel erlitt mit 11,3 Prozent die stärksten Einbußen - vor allem wegen der Pleite des einst größten deutschen Versandhauses Quelle. Waren- und Kaufhäuser nahmen 7,8 Prozent weniger ein, Supermärkte meldeten ein Umsatzminus von 3,2 Prozent, der Lebensmittelhandel verlor 3,1 Prozent.

Gegen den Trend zog der Handel mit pharmazeutischen und medizinischen Produkten um 4,1 Prozent an. Mit Einrichtungsgegenständen, Haushaltsgeräten und Baubedarf wurden 1,9 Prozent mehr eingenommen.

Volkswirte zeigten sich enttäuscht von den Anbsatzzahlen zum Jahr 2009. "Das Weihnachtsgeschäft hat schleppend begonnen", sagte Alexander Koch von Unicredit. "Der Konsum insgesamt dürfte Ende das Jahres geschrumpft sein, weil auch die Autoverkäufe zurückgegangen sind." Im zweiten Halbjahr seien die Konsumenten mit Verzögerung in die Rezession gerutscht, so Koch. 2010 gebe es zwar Steuererleichterungen. Wegen der steigenden Arbeitslosigkeit sei aber mit einer sinkenden Kaufbereitschaft zu rechnen. "Im besten Fall wird der private Konsum stagnieren", sagt der Ökonom. "Wahrscheinlicher ist aber, dass er sogar sinkt." Die leichte Konjunkturerholung in diesem Jahr werde von der Industrie und vom Export getragen.

"Einzelhandel dürfte auch 2010 nicht wachsen"

"Der Einzelhandel ist in der Krise ordentlich gebeutelt worden", kommentiert Simon Junker, Commerzbank. "Wir glauben, dass sich auch in den nächsten Monaten nicht allzu viel tut. Der Abwärtstrend wird sich fortsetzen, das Jahr 2010 noch schwach bleiben."

Auch Jürgen Michels von der Citigroup konstatiert: "2009 war nicht das Jahr des Einzelhandels." Die Krise sei auch dort angekommen, wenn auch nicht so stark wie in anderen Branchen. "Viele Käufe wurden auch deshalb nicht getätigt, weil sich viele Leute wegen der Abwrackprämie ein neues Auto gekauft und sich dafür verschuldet haben", sagt der Volkswirt. "Trotz Steuererleichterungen dürfte der Einzelhandel auch 2010 nicht wachsen." Gründe seien die steigende Arbeitslosigkeit und sinkende Realeinkommen. "Es sieht insgesamt eher düster aus für den privaten Konsum."

Sollten die Ökonomen mit ihrem pessimistischen Ausblick recht behalten, so könnte das zum Problem werden. Denn nach Ansicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW) muss der Konsum einen wesentlichen Beitrag zum Wachstum im laufenden und im kommenden Jahr beitragen. Das DIW hat gerade eine erhöhte Wachstumsprognose veröffentlicht. Der Export falle als Wachstumsmotor weitgehend aus, heißt es darin. Stattdessen müsse die Binnennachfrage einspringen.

manager magazin mit Material von reuters

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