Refinanzierung Siemens setzt auf Dollar-Anleihen

Angesichts weltweit niedriger Zinsen prüft Siemens eine Umschuldung und will sich mehr Geld mit Dollar-Anleihen beschaffen. Laut Finanzchef Joe Kaeser könnte der Konzern am Kapitalmarkt problemlos zwölf Milliarden Dollar einsammeln.

Frankfurt am Main - "Warum nicht etwa eine bestehende, langfristige Finanzierung vorzeitig kündigen? Das kostet zwar etwas Geld, kann sich aber lohnen, wenn wir eine neue und im Vergleich zu früher günstigere Tranche langfristig abschließen können", sagte Finanzvorstand Joe Kaeser der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Samstagausgabe). Er glaube zwar nicht, dass die Zinsen bereits 2010 steigen, wolle aber im kommenden Jahr nicht vor vollendeten Tatsachen stehen. Dann stünden rund 3,8 Milliarden Euro zur Refinanzierung an.

Die regionale Verteilung der Anleihefinanzierungen solle sich stärker am weltweiten Geschäft von Siemens  orientieren, sagte Kaeser. "Das heißt für uns, stärker in den Dollar-Raum zu gehen." Aufgrund der hohen Liquidität im Markt sei er zuversichtlich, auch größere Summen einsammeln zu können: "Wir könnten vermutlich ohne weiteres zehn bis zwölf Milliarden Dollar platzieren für den richtigen Zweck."

Siemens hatte zuletzt im Februar 2009 eine Anleihe über vier Milliarden Euro in zwei Tranchen mit Laufzeiten bis 2013 und 2017 begeben. Die Nachfrage habe sogar bei bis zu 20 Milliarden Euro gelegen, hatte Kaeser damals gesagt. Das Geld diente den Angaben zufolge ebenfalls der Umschuldung von kurzfristigen in langfristige Verbindlichkeiten.

Finanzchef dämpft Erwartungen an eine Erholung im Jahr 2011

Der Finanzchef des von der Wirtschaftskrise hart getroffenen Industriekonzerns dämpfte Erwartungen an eine Erholung im kommenden Jahr. "Die für 2011 erwartete Erholung in der Investitionsgüterindustrie wird sich nicht auf dem Niveau bewegen, wie wir es bis 2008 erlebt haben", sagte Kaeser. Siemens hat nach einem Milliardenverlust im Schlussquartal des Ende September abgelaufenen Geschäftsjahrs 2008/09 die Latte für das aktuelle Geschäftsjahr bereits deutlich niedriger gelegt. Das Ergebnis im Kerngeschäft werde 2009/10 um mindestens eine Milliarde auf sechs bis 6,5 Milliarden Euro zurückgehen, hatte Konzernchef Peter Löscher Anfang Dezember mitgeteilt.

Zu weiteren Stellenabbauplänen wollte sich Kaeser nicht näher äußern. "Leider werden punktuell auch Arbeitsplätze verloren gehen, aber auch viele global neu geschaffen werden", sagte der Manager. Der Konzern hatte die Zahl seiner Mitarbeiter im vergangenen Geschäftsjahr weltweit um 23.000 auf 405.000 verringert. In Deutschland sank der Personalstand um 5000 auf 128.000 Beschäftigte.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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