2010 Zeiten bleiben hart für die Stahlbranche

Kaum eine Branche hat unter der Wirtschaftskrise so gelitten wie die Stahlindustrie. Der freie Fall der deutschen Stahlproduzenten scheint zwar gestoppt. Doch die Erwartungen für das Jahr 2010 sind bescheiden. Mit Sorge blicken die Produzenten nun nach China.

Frankfurt am Main - Der deutsche Branchenprimus ThyssenKrupp  etwa hofft erst für 2012 damit, das Niveau von 2007 wieder zu erreichen. Und die Angst vor einem neuen Rückschlag ist groß. "Ich glaube nicht, dass die Krise bald vorbei ist", sagte auch Salzgitter-Chef Wolfgang Leese jüngst in einem Interview und verwies auf die schwierige Lage wichtiger Stahl-Kunden wie die Auto- und Nutzfahrzeughersteller.

Kaum eine Branche war so schwer von der Wirtschaftskrise betroffen wie die Stahlindustrie. Nach sieben guten Jahren brachen im Herbst 2008 praktisch über Nacht die Aufträge weg. Die vollen Lager erschwerten die Lage - die Preise fielen fast ins Bodenlose. Die Unternehmen reagierten weltweit mit drastischen Produktionskürzungen. Allein in Deutschland wurden 6 der 15 Hochöfen vorübergehend stillgelegt. Zum Höhepunkt der Krise im April lag die Kapazitätsauslastung unter 50 Prozent, die Hälfte der rund 95.000 Stahlarbeiter arbeitete kurz.

Die Wirtschaftsvereinigung Stahl rechnet damit, dass die Produktion im Jahr 2009 um 28 Prozent auf 33 Millionen Tonnen Rohstahl geschmolzen ist. Das ist der niedrigste Stand seit den 1960er Jahren.

Das hat Folgen, auch für ThyssenKrupp : Das Unternehmen zieht sich größtenteils aus dem Schiffbau zurück, die Industrieservice-Sparte wurde bereits verkauft. Weitere Verkäufe stehen an. So soll im laufenden Geschäftsjahr die Zahl der Mitarbeiter auf 167.000 sinken. Vor der Krise hatte ThyssenKrupp weltweit noch rund 200.000 Beschäftigte.

Die drastischen Maßnahmen konnten bislang nicht verhindern, dass das Unternehmen tief in die roten Zahlen rutschte. Nur dank des drastischen Sparkurses erwartet der Konzern bereits im bis September laufenden Geschäftsjahr wieder einen Vorsteuergewinn, der Umsatz soll bestenfalls stagnieren. Bei Konkurrent Salzgitter  sieht es nicht viel besser aus, allerdings versuchen die Niedersachsen ohne Stellenabbau auszukommen.

Talsohle durchschritten, Lage bleibt fragil

Seit Mitte 2009 deutet sich an, dass die Talsohle in der deutschen Stahlindustrie durchschritten ist. Die Auftragslage hat sich verbessert, die Auslastung ist auf rund 80 Prozent gestiegen. Drei vorübergehend stillgelegte deutsche Hochöfen wurden hochgefahren, zwei weitere sollen folgen. Grund für die Entspannung ist nach Einschätzung von Experten allein, dass die Lagerbestände inzwischen abgebaut sind.

Für 2010 rechnet die Wirtschaftsvereinigung Stahl mit einer langsamen Erholung der Produktion von maximal 15 Prozent auf bis zu 38 Millionen Tonnen. Frühestens 2011 sei eine Rückkehr zu alten Wachstumsraten realistisch, sagte Stahlverbands-Präsident Hans Jürgen Kerkhoff. "Die Lage ist weiterhin fragil und der Erholungsprozess noch nicht selbsttragend."

Angst vor Stahlschwemme aus China

Sorge um Rohstoffspekulanten und Stahlschwemme aus China

Ein Grund für die Erholung ist die Entwicklung in den Schwellenländer, allen voran China. Dort ist 2009 nach Berechnungen des Weltstahlverbandes dank des massiven staatlichen Konjunkturprogramms die Produktion um 20 Prozent gestiegen, knapp die Hälfte der weltweiten Stahlnachfrage kommt aus China. Die dortigen Werke produzieren unter Vollast, Lagerbestände wachsen.

Das weckt neue Sorgen im Rest der Welt: Der europäische Stahlverband äußerte sich besorgt darüber, dass bei einem Abkühlen der Konjunktur in China Stahl von dort den Weltmarkt überschwemmen könnte.

Noch mehr zu schaffen macht den Stahlherstellern aber die Entwicklung auf den Rohstoffmärkten. ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz warnte angesichts überproportional gestiegener Preise in einem Interview vor dem Einfluss von Spekulanten. Zusätzlich belastet nach Ansicht von Analysten die Preismacht der Rohstoffproduzenten. Und es drohen aus Sicht der Stahlkonzerne weitere Bündnisse. So wollen die Rohstoffkonzerne Rio Tinto und BHP Billiton  ihre Erzproduktion in Australien zusammenlegen. Die Stahlverbände laufen dagegen weltweit Sturm.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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