Wirtschaftskrise Mehrheit der Branchen zuversichtlich

Die meisten Wirtschaftsbranchen sehen nach der tiefsten Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik für 2010 wieder einen Aufwärtstrend. Doch vorbei ist die Krise noch längst nicht. Vor allem im Baugewerbe und im Maschinenbau drohen noch erhebliche Probleme - und Jobabbau.

Hamburg - "Die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise ist nach wie vor nicht überwunden und wird auch im nächsten Jahr einige Branchen noch hart treffen", sagte der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), Michael Hüther, am Dienstag bei der Veröffentlichung der diesjährigen IW-Verbandsumfrage. Doch insgesamt scheine das Gröbste überstanden.

"Sollten die Erwartungen allerdings weiter einbrechen, werden viele Unternehmen nicht um einen Arbeitsplatzabbau herumkommen", sagte Hüther.

Wie das IW mitteilte, gaben 27 der 44 befragten Wirtschaftsverbände an, dass sich die Stimmung gegenüber Ende 2008 verbessert habe. Sieben Branchen bezeichneten sie als unverändert. Zehn Verbände beurteilten ihre Lage allerdings schlechter als zum Vorjahreszeitpunkt.

Vor diesem Hintergrund bleiben den Angaben zufolge auch die Aussichten für den Arbeitsmarkt weiter unsicher. So hielten 27 Verbände einen Arbeitsplatzabbau für unvermeidlich. Nur 16 Verbände rechneten mit einem konstanten Beschäftigungsniveau. Einzig die Lederindustrie geht von einer steigenden Beschäftigung in ihren Betrieben aus.

Zugleich warnte IW-Chef Hüther aber vor Schwarzmalerei. Denn ziehe die weltweite Konjunktur schneller und deutlicher an als erwartet, könnte davon auch die exportorientierte deutsche Wirtschaft stärker als andere Länder profitieren.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat indes vor der nach wie vor bestehenden Gefahr einer Kreditklemme gewarnt. Anfang 2010 kämen schlechte Bilanzen der Unternehmen aus dem Krisenjahr 2009 auf den Tisch, sagte BDI-Präsident Hans-Peter Keitel der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Zudem seien die vor allem für den Mittelstand wichtigen Landesbanken selbst in der Krise. Dies alles führe zu einer Verknappung der Kredite.

Düster blicken zudem das Baugewerbe sowie die Maschinenbauer ins kommende Jahr. Der Hauptverband der deutschen Bauindustrie befürchtet bereits im Frühjahr eine Insolvenzwelle, sollten die Unternehmen nicht stärker als bislang gelant entlastet werden. "Es muss alles daran gesetzt werden, die sich bereits abzeichnende Kreditklemme zu verhindern", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Michael Knipper, der "Frankfurter Rundschau" (Dienstagausgabe).

Bereits im ersten Quartal 2010 werde eine Reihe von Firmen aus den verschiedensten Branchen als Folge der Krise deutlich schlechtere Bilanzen vorlegen und damit nur schwer Geld von den Banken für dringend nötige Zukunftsinvestitionen erhalten.

"Die Krise liegt noch lange nicht hinter uns"

Auch die deutschen Maschinenbauer erwarten 2010 ein weiteres Krisenjahr für die Branche. "Die Krise liegt noch lange nicht hinter uns", erklärte der Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Manfred Wittenstein, in einem am Dienstag veröffentlichten Schreiben an die rund 3000 Mitgliedsunternehmen. Viele Betriebe würden die Folgen erst 2010 mit voller Härte zu spüren bekommen.

Er befürchte Firmenpleiten und einen Abbau von Arbeitsplätzen. Die Maschinenproduktion werde im kommenden Jahr stagnieren, nach einem Einbruch von 20 Prozent 2009, bekräftigte Wittenstein. Zwar sei die Branche technisch und wirtschaftlich grundsätzlich gut aufgestellt, betonte der Verbandschef. "Doch Tempo und Ausmaß der Weltwirtschaftskrise werden tiefgreifende Anpassungen notwendig machen." Die Nachfrage nach Maschinen "Made in Germany" war in Folge der Krise eingebrochen.

Die stark exportabhängige Branche hatte in den vergangenen Monaten zudem immer wieder eine zurückhaltende Vergabe von Krediten durch die Banken beklagt, die die Finanzierung von Aufträgen erschwere.

Nach beispiellosen Boomjahren ist die Kapazitätsauslastung der Unternehmen, zu denen neben zahlreichen Mittelständlern auch börsennotierte Konzerne wie ThyssenKrupp, Gea und Gildemeister gehören, deutlich zurückgegangen.

Im Oktober hatte sie bei rund 70 Prozent gelegen, zu Glanzzeiten waren es 93 Prozent. Derzeit seien rund 221.000 Beschäftigte in Kurzarbeit, sagte Wittenstein.

Trotz der Ausweitung der Kurzarbeiterregelung werde die Zahl der Beschäftigten weiter sinken. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes bauten die Unternehmen von Januar bis Ende September 21.000 der 954.000 Arbeitsplätze ab.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen