Sal. Oppenheim Der Bruchpilot

Unrühmlicher könnte sie kaum zu Ende gehen, die Ära Krockow bei Sal. Oppenheim - jenem ehedem so stolzen und renommierten Bankhaus, das beinahe vor dem Ruin stand und nun bei der Deutschen Bank unterschlüpft.

Nach elfeinhalb Jahren tritt Matthias Graf von Krockow als Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter ab.

Krockow - der einem verarmten preußischen Adelsgeschlecht angehört, durch die Heirat mit der Oppenheim-Nachfahrin Ilona Baronesse von Ullmann ganz schnell reich wurde und nun, nach dem von ihm maßgeblich mitverschuldeten Absturz der 220 Jahre alten Privatbank, ebenso schnell wieder arm.

Krockow - der sich noch vor kurzem rühmte, in seiner Amtszeit die Bilanzsumme verfünffacht zu haben, was aber in Wahrheit nur das äußerliche Anzeichen dafür war, dass er und seine Kumpanen an der Bankspitze jegliches Maß verloren hatten.

Das gilt ganz offenbar auch für die aufwendige private Lebensführung. Sal. Oppenheim war für die herrschenden Familien ein Hort der Selbstbedienung: Hohe laufende Entnahmen, so lange das große Rad, das sie drehten, immer schneller lief; darüberhinaus dreistellige Millionenkredite in die eigenen Taschen, um Steuersparmodelle und auch den eigenen Lebensstil zu finanzieren. Und dies zum großen Teil ohne Sicherheiten und zu Konditionen, von denen auch Kreditnehmer erster Bonität - was diese Herrschaften seit geraumer Zeit sicher nicht mehr waren - nur träumen können.

Dass die Privatbank am Ende nicht in die Insolvenz ging, ist keineswegs Krockow & Co. zu verdanken, sondern dem Eingreifen der Bankenaufsicht BaFin und der Deutschen Bank, bei der Sal. Oppenheim nun unterkriecht.

Nun wird also Krockow, noch vor dem Einstieg der Frankfurter Großbank, aus dem Führungsquartett der erste sein, der geht. Die anderen drei Bruchpiloten, Christopher von Oppenheim, sowie die familienfremden Partner Friedrich Carl Janssen und Dieter Pfundt werden im Januar folgen.

Dankenswerterweise hat die BaFin Zweifel an deren Eignung artikuliert, Bankgeschäfte zu führen. Die Deutsche Bank hatte wenigstens Christopher von Oppenheim zunächst eine herausgehobene Rolle bei der künftigen Tochtergesellschaft zugedacht, wenn auch nicht in der Führung, so doch als Galionsfigur - etwa als Mitglied des Oppenheim-Aufsichtsrats oder - wie er selbst bis zuletzt gehofft haben wird - sogar als dessen Vorsitzender.

Der letzte Oppenheim in der Nomenklatura der Bank hätte helfen können, durch persönlichen Einsatz jene Teile der betuchten Privatklientel zu halten, die eigentlich nicht Kunden einer Großbankfiliale sein wollen. Doch Christopher von Oppenheim ist selbst belastet. Er ist kein Mitläufer, sondern Mittäter.

Gemeinsam mit Krockow & Co. ging er waghalsige Geschäfte wie mit dem inzwischen insolventen Handelskonzern Arcandor und dessen Großaktionärin Madeleine Schickedanz ein - bis hin zu völlig unüblichen persönlichen Bürgschaften der Bankeigner in insgesamt dreistelliger Millionenhöhe.

Zudem verwendete Christopher von Oppenheim ihm anvertrautes Geld als Vorstand der gemeinnützigen Harald und Gertrud Kühnen Stiftung, um eine kritische Gesellschafterin des Bankhauses auszuzahlen. Und er griff besonders intensiv bei den Darlehen zu, die die Führungsclique sich selbst gewährte.

Natürlich hätte ein leibhaftiger von Oppenheim der Deutschen Bank nützen können. Allerdings kaum, wenn sein Name selbst beschmutzt ist.