BayernLB Das Ende des Größenwahns

Das Fiasko der BayernLB ist nur ein weiteres Beispiel für das Versagen der deutschen Landesbanken. Die Institute müssen endlich radikal verkleinert werden.
Von Ulric Papendick

Als der frühere BayernLB-Chef Werner Schmidt im Frühjahr 2007 die mehrheitliche Übernahme der österreichischen Hypo Alpe Adria Bank in Angriff nahm, wähnte er sich am Ziel seiner Expansionsträume. Nun werde endlich ein "führender Finanzdienstleister in Zentral- und Osteuropa" geschaffen, tönte Schmidt. Bereits zuvor hatte der BayernLB-Chef versucht, die Wiener Gewerkschaftsbank Bawag zu kaufen, war jedoch von dem Hedgefonds Cerberus ausgestochen worden. Das sollte ihm nicht noch einmal passieren. Man werde den Verkäufern - dem Bundesland Kärnten, einer Versicherung und dem Investor Tilo Berlin -einen "attraktiven Kaufpreis" bieten, stellte Schmidt klar.

Bayerns damaliger Finanzminister Kurt Faltlhauser ließ es sich ebenso wenig wie Sparkassenpräsident Siegfried Naser nehmen, Schmidt zur Unterzeichung des Kaufvertrags nach Klagenfurt zu begleiten. Der Finanzplatz München, ja ganz Bayern sonnte sich im Glanz seiner erfolgreichen Landesbank, die sich nun anschickte, die verheißungsvollen Märkte in Osteuropa zu erobern. Dass die als "Perle" (Tilo Berlin) bejubelte Klagenfurter Bank kurz zuvor versucht hatte, Verluste aus Devisenswapgeschäften zu vertuschen, spielte keine Rolle.

Zweieinhalb Jahre später ist von dem bayerischen Imperium nur noch heulendes Elend übrig. Die mittlerweile als Hypo Group Alpe Adria (HGAA) firmierende Tochter in Kärnten muss zwangsverstaatlicht werden; nur weil der österreichische Staat die Bank unter seine Kuratel nimmt, entgeht das Institut dem Konkursrichter. Mit der Finanzkrise ist der Beinahe-Bankrott kaum zu begründen, immerhin hat die HGAA ihre Milliardenverluste in erster Linie mit fehlgeschlagenen Kreditengagements in Ländern wie Serbien und Kroatien angehäuft.

Die Konsequenzen? BayernLB-Lenker Schmidt ist längst abgetreten, die Münchener Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn, nicht zuletzt wegen des "attraktiven Kaufpreises" für die Banktochter im Nachbarland. Auch sein Nachfolger Michael Kemmer, zum Zeitpunkt der HGAA-Übernahme Finanzvorstand, ist soeben gegangen. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer - und mit ihm der Steuerzahler - muss einem weiteren Milliardenverlust verkraften, nachdem er bereits zehn Milliarden Euro in die Bank gesteckt hat. Dass es dabei bleibt, darf bezweifelt werden.

Der Fall BayernLB ist ein weiteres Beispiel dafür, wie die Großmannssucht in deutschen Landeshauptstädten in ein Milliardenfiasko mündet. Die Hamburger HSH Nordbank verstieg sich zu der Wahnvorstellung, weltgrößter Finanzier von Containerschiffen werden zu müssen. Die Düsseldorfer WestLB glaubte, im Konzert der globalen Investmentbanken einen führenden Part übernehmen zu können. Die Stuttgarter LBBW sah sich wie selbstverständlich in der Rolle, einen Konkurrenten nach dem nächsten zu übernehmen. Und in München meinte man, den Osten erobern zu müssen.

Diese Institute nunmehr zu einer Riesen-Landesbank zusammen zu schmieden, würde das Ganze nur noch schlimmer machen. Zu gewaltig sind die Probleme jedes einzelnen Instituts, zu groß die Gefahr, dass ein gemeinsames Institut an seinen Klumpenrisiken scheitert - und an dem Problem, vom Kapitalmarkt keine ausreichende Finanzierung zu erhalten.

Es bleibt nur der harte Weg, die überdimensionierten Landesbanken solange zu schrumpfen, bis sich die Institute wieder auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren können, die Versorgung des deutschen Mittelstands mit Krediten. Dafür gibt es eine Nachfrage. Die aufgeblähten Apparate der Landesbanken - allein die BayernLB beschäftigte Ende vergangenen Jahres mehr als 20.000 Mitarbeiter - sind mit diesem Rumpfgeschäft allerdings nicht mehr zu rechtfertigen.

Verwandte Artikel