Wirtschaft 2010 "Konjunkturampeln stehen auf Gelb"

Das Münchener Ifo-Institut revidiert seine Konjunkturprognose für das laufende Jahr deutlich nach oben. Optimistisch sind die Forscher dennoch nicht. Im Jahr 2010 sei nicht mit einem selbsttragenden Aufschwung zu rechnen. Ähnlich sehen es das HWWI und das ZEW in ihren Prognosen.

Berlin/München/Hamburg/Mannheim - Trotz besserer Konjunkturaussichten erwartet das Ifo-Institut für Deutschland vorerst keinen selbstragenden Aufschwung. Die Wirtschaft werde nach der Rezession 2009 im nächsten Jahr zwar um 1,7 Prozent zulegen und 2011 erneut um 1,2 Prozent wachsen, teilten die Münchener Forscher am Dienstag mit. Die Entwicklung der Wirtschaft sei aber wegen der schwierigen Finanzierungsbedingungen der Unternehmen immer noch labil.

"Die Konjunkturampeln in Deutschland bleiben auf Gelb, mit einer Grünphase ist nicht zu rechnen." Für das laufende Jahr rechnet das Ifo mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung um 4,9 Prozent. Damit zeigten sich die Münchener optimistischer als noch im Sommer. Der Export werde nach den Einbrüchen in diesem Jahr zwar wieder steigen, die Konjunktur wegen der ebenfalls anziehenden Importe aber kaum anschieben.

Zudem seien die Kredithürden für neue Investitionen und Arbeitsplätze immer noch hoch. Die Firmeninvestitionen dürften daher schwach bleiben, eine Besserung der "restriktiven Finanzierungsbedingungen" sei nicht in Sicht.

Auch das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) revidierte seine bisherige Prognose von minus fünf Prozent leicht auf minus 4,9 Prozent. Im kommenden Jahr dürfte die Wirtschaft dann um 1,5 Prozent wachsen. Bisher hatten die Experten für 2010 ein Plus von 0,8 Prozent erwartet. Die deutsche Wirtschaft habe schneller die Wende geschafft als von vielen erwartet.

"Die bisherige Erholung bedeutet aber nicht, dass die Krise nun überwunden wäre", mahnten die Forscher. Auch wenn sich die Aussichten in den letzten Monaten aufgehellt hätten, sei die Konjunktur noch recht fragil und von einer selbsttragenden Erholung weit entfernt. Mit einem Wiedererreichen des Vorkrisenniveaus sei selbst bei günstiger Wirtschaftsentwicklung nicht vor 2012 zu rechnen.

Etwas positiver liest sich die Prognose des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), wonach sich die Konjunkturzuversicht deutscher Finanzexperten nur leicht eingetrübt hat. Die ZEW-Konjunkturerwartungen seien demnach im Dezember um 0,7 Punkte auf 50,4 Punkte gesunken.

Allerdings haben sich die ZEW-Konjunkturerwartungen damit nun den dritten Monat in Folge eingetrübt. "Die Experten gehen weiterhin von einer langsamen Erholung der Wirtschaft aus", kommentierte das ZEW die neuen Umfrageergebnisse. Die Erholung dürfte sich zum einen auf die wieder anziehenden Exporte stützen. Zum anderen zeige die Investitionsnachfrage erste Stabilisierungstendenzen.

"Wir sind nach wie vor in einem Rezessionstal", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz laut Mitteilung. "Im nächsten Jahr werden wir eine Erholung, aber keinen Aufschwung bekommen." Treibende Kraft seien die Exporte. Wie sehr die Investitionen im kommenden Jahr zum Wachstum beitragen werden, hänge auch von der Kreditvergabe der Banken ab. Diese hätten jedoch auch die schwierige Aufgabe, ihre Bilanzen zu sanieren.

Für den Euroraum ergibt sich eine ähnliche Tendenz wie für Deutschland. Die Konjunkturerwartungen sanken um 3,8 Punkte auf 48,0 Punkte, während die Lagebeurteilung um 2,5 Punkte auf minus 67,8 Punkte stieg.

manager magazin mit Material von reuters und dpa-afx

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