Konjunktur Aufschwung gerät ins Stocken

Der Wirtschaftsaufschwung in Deutschland hat laut Bundesbank im Oktober ein wenig an Dynamik verloren. Auftragseingänge und Produktionsvolumina gingen im Monatsvergleich zurück. Wie es weiter geht, hängt stark vom wackligen Konsum ab - und damit von der Entwicklung der Arbeitslosigkeit und der Preisstabilität.

Hamburg - Die Erholung der Wirtschaft vom schwersten Einbruch seit vielen Jahrzehnten hat sich auch zu Herbstbeginn fortgesetzt. Allerdings wurde die hohe Dynamik des dritten Quartals zu Beginn des letzten Vierteljahres 2009 nicht mehr erreicht, schreibt die Bundesbank in ihrem am Montag in Frankfurt veröffentlichten Monatsbericht für Dezember.

Sowohl das Auftragsvolumen als auch die Produktion blieben demnach im Oktober hinter ihren Vormonatsständen zurück. "Dies ist in der Frühphase einer konjunkturellen Erholung jedoch nicht untypisch, zumal die Zuwächse in den beiden vorangegangenen Monaten recht stark waren", heißt es in dem Bericht.

Hintergrund: In der gesamten Euro-Zone hat sich die Industrieproduktion im Oktober schwach gezeigt. Wie die Statistikbehörde Eurostat am Montag berichtete, fiel die Produktion ohne das Baugewerbe gegenüber September saisonbereinigt um 0,6 Prozent. Auf Jahressicht ergab sich damit ein Minus von 11,1 Prozent. Volkswirte hatten im Vergleich zum Vormonat mit einem Rückgang der Produktion um 0,8 Prozent gerechnet, auf Jahressicht hatten sie ein Minus von 11,0 Prozent prognostiziert.

Im September war die Industrieproduktion gegenüber dem Vormonat noch um 0,2 Prozent gewachsen, binnen Jahresfrist hatte sich allerdings ein Rückgang um 12,8 Prozent ergeben. Nach weiteren Angaben von Eurostat sank die Industrieproduktion in der gesamten EU im Oktober um 0,7 Prozent auf Monatssicht und um 10,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Unter dem Strich hat der Erholungsprozess der deutschen Wirtschaft laut Bundesbank allerdings im dritten Quartal "spürbare Fortschritte" gemacht. Die Konjunktur profitierte dabei vom wieder anziehenden Exportgeschäft der Unternehmen. "Dämpfende Faktoren werden aber voraussichtlich auch im vierten Quartal vonseiten des privaten Konsums ausgehen", schreiben die Notenbanker.

Verantwortlich dafür seien hauptsächlich zwei Bestimmungsgrößen: Das Auslaufen der Abwrackprämie und die zunehmende Angst der Menschen vor einem Verlust des Arbeitsplatzes und damit verbundener Einbußen beim Einkommen.

Massiver Jobabbau erwartet

Hierzulande gibt es zwar bislang kaum Teuerungsdruck. Zudem zeigt sich der Arbeitsmarkt derzeit noch erstaunlich robust. Das dürfte sich aber bald ändern. Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, etwa erwartet im kommenden Jahr einen massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit in wichtigen Industrien wie dem Auto- und dem Maschinenbau.

Derzeit seien Hunderttausende Arbeiter auf Kurzarbeit gesetzt, sagt Weise zu SPIEGEL-ONLINE. "Das wird auf Dauer nicht durchzuhalten sein." Kurzarbeit sei für die Unternehmen teuer.

Im gesamten OECD-Raum hat sich die Arbeitslosenquote im Oktober bereits leicht erhöht. Die Quote sei von 8,7 Prozent im Vormonat auf 8,8 Prozent geklettert, teilte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Montag in Paris mit. Auf Jahressicht legte die Quote um 2,3 Prozentpunkte zu.

Die Arbeitslosenquote wird auf Basis von standardisierten Daten aus 29 Mitgliedsländern berechnet. Hierzu gehören die 19 Mitglieder der Europäischen Union (EU), die auch gleichzeitig der OECD angehören. Außerdem wird die Entwicklung in Kanada, den USA, Australien, Japan, Südkorea, Neuseeland, Norwegen, Island, der Türkei und der Schweiz erfasst.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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