BayernLB-Tochter Hypo Group Alpe Adria wird verstaatlicht

Österreich verstaatlicht die angeschlagene Hypo Group Alpe Adria und bewahrt die Bank damit vor dem Kollaps. Die BayernLB kann damit zwar einen Schlussstrich unter ihre verlustreiche Beteiligung ziehen. Der Rückzug aus Kärnten kostet die Landesbank neben Milliardenabschreibungen noch einmal 825 Millionen Euro.

Wien - Die angeschlagene österreichische BayernLB-Tochter Hypo Group Alpe Adria (HGAA) soll komplett verstaatlicht werden. Neben 825 Millionen Euro, die die BayernLB zu dem Deal zuschießt, muss sie den Buchwert von 2,3 Milliarden Euro auf Null abschreiben, wie ihr Verwaltungsratschef Georg Fahrenschon am Montag nach einem nächtlichen Verhandlungsmarathon sagte.

Das Land Kärnten und der Versicherer Grawe müssen vor ihrem Rückzug aus der HGAA ebenfalls noch Geld zuschießen: 200 Millionen Euro kommen von den Kärntnern, 30 Millionen Euro von Grawe, wie Österreichs Finanzminister Josef Pröll mitteilte. Zudem stellen Österreichs Banken rund 500 Millionen Euro an neuen Kreditlinien und Kapitalhilfen zur Verfügung.

Die Entscheidung für die Verstaatlichung fiel am Morgen kurz vor Schalteröffnung der Hypo-Banken. Mehr als 17 Stunden hatte Pröll mit Fahrenschon, der auch Bayerns Finanzminister ist, und Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler sowie Grawe-Chef Othmar Eder verhandelt und ihnen Geld abgerungen. "Sicherheit für die Sparer und Sicherheit für den Finanzplatz" seien die wichtigsten Motive für die Verstaatlichung gewesen, betonte Pröll nun. Vor wenigen Jahren hatte eine andere Bank unrühmliche Schlagzeilen in Österreich gemacht: Wegen massiver Verluste hatten die Kunden Schlange bei der Bawag gestanden, um ihr Geld abzuziehen. Nach den Worten von Pröll hätte ein Zusammenbruch der HGAA nun aber unkalkulierbare Folgen gehabt - im Inland sowie auch am Balkan, wo die Hypo Group eine besonders starke Stellung hat.

Fahrenschon sagte, die Trennung von der HGAA sei ein schmerzvoller, doch notwendiger Prozess. Zumindest vorläufig bleibt die BayernLB jedoch mit der Hypo verbunden, denn Liquidität von knapp 3,1 Milliarden Euro verbleibt in Kärnten. Die 825 Millionen Euro fließen auch nicht bar, sondern sind eine Umwandlung von Forderungen der Mutter an die Tochter.

Politiker erwarten personelle Konsequenzen

Die selbst vom Freistaat gestützte BayernLB hatte die HGAA wegen ihres vermeintlich wachstumsstarken Balkan-Geschäfts 2007 gekauft. Insgesamt dürfte die Landesbank durch dieses Engagement nun aber rund vier Milliarden Euro versenkt haben. In Bayern selbst gehen seit Wochen auch auf politischer Ebene wegen des Hypo-Engagements die Wogen hoch.

Der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil bezeichnete die angekündigte Verstaatlichung als beste Option. "Lieber ein Ende mit Schrecken als dass das Ganze noch weitergegangen wäre", sagte Zeil am Montag dem Bayerischen Rundfunk. Den Kauf der HGAA durch die BayernLB bezeichnete der FDP-Politiker als "katastrophale Fehlentscheidung". Zeil sagte weiter: "Insofern musste man jetzt eine Lösung finden, wenigstens einen großen Teil des Geldes der Landesbank zu retten und das scheint geglückt zu sein."

Auf der Ebene des Verwaltungsrats und innerhalb der Bank rechne er mit personellen Konsequenzen. "Das ist unausweichlich." Unterdessen forderte auch der Fraktionschef der bayerischen SPD, Markus Rinderspacher, personelle Konsequenzen. "Es kann eigentlich nur sein, dass der CSU-Fraktionsvorsitzende Georg Schmid zurücktreten muss, wie auch Erwin Huber als Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Landtag", sagte der SPD-Politiker dem Bayerischen Rundfunk. Sollten sich Medienberichte erhärten, wonach Fahrenschon Druck auf eine Sonderprüferin ausgeübt haben solle, müsse auch dieser zurücktreten. Der Staatsregierung warf Rinderspacher vor, sich zu spät um die Rettung der HGAA gekümmert zu haben.

manager-magazin.de mit Material von reuters und ap

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