Mittwoch, 23. Oktober 2019

HSBC Steuerfahndung ergattert Datensätze von 130.000 Kunden

Für die HSBC Private Bank in Genf ist allein der Verdacht eine Katastrophe: Ein IT-Experte ihres Hauses soll der französischen Steuerfahndung die Daten von 130.000 Kunden offenbart haben. Der Mann fürchtet nun laut Polizei um sein Leben.

Paris - Möglicherweise sind französische Steuerfahnder durch den IT-Experten an Daten von allen Kunden der HSBC Private Bank gekommen. "Wir haben derzeit 130.000 Namen", sagte Staatsanwalt Eric de Montgolfier der Zeitung "Journal du Dimanche". Neben 3000 Franzosen seien Bankkunden aus zahlreichen anderen Ländern, besonders aus Italien und Kolumbien identifiziert worden.

Wer ist Hervé? Die Private Bank der HSBC beklagt einen Datenskandal
Das Geldinstitut wollte sich nicht zu den neuen Zahlen äußern. Die exakte Klientenzahl sei ein "absolutes Geheimnis", zitierte das "Journal du Dimanche" einen Sprecher. Zuvor hatte das Institut mitgeteilt, nach bestem Wissen seien "unter zehn" Kunden vom Datendiebstahl betroffen.

Die Zeitung "Le Parisien" hatte am Mittwoch enthüllt, dass ein ehemaliger Mitarbeiter der HSBC Private Bank französische Steuerfahnder mit Tausenden verschlüsselter Kontodaten versorgt hatte.

Der französische Haushaltsminister Eric Woerth sorgte im Sommer mit der Erklärung für Aufsehen, er besitze eine Liste von 3000 Franzosen, die drei Milliarden Euro auf Nummernkonten in der Schweiz deponiert hätten. Woerth hat mittlerweile eingeräumt, dass ein Teil der Namen von dem Informanten stammt.

Der in den französischen Medien "Hervé" genannte Mann soll mittlerweile mit einer neuen Identität in Südfrankreich leben und von der Gendarmerie geschützt werden. Ermittler sagten unter Anspielung auf die Mafia, gewisse Kunden der HSBC könnten ein gefährliches Profil haben. "Der Informant riskiert sein Leben."

Frankreich nutzt die Daten, um Steuersünder zur Selbstanzeige zu bewegen. Wenn sie sich bis Ende des Jahres melden, bleiben sie straffrei und müssen lediglich Nachzahlungen leisten. Die Schweiz ist wegen der Nutzung der illegal erlangten Daten verärgert. Frankreich beruft sich aber darauf, sie ohne jegliche Gegenleistung erhalten zu haben.

manager magazin mit Material von dpa

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