Commerzbank "Wir haben die höchsten Risikostände noch nicht gesehen"

Es ist noch zu früh, sich angesichts der leichten Konjunkturerholung in Sicherheit zu wiegen, warnt Commerzbank-Vorstand Achim Kassow. Sein Haus rechnet kurzfristig mit einer Welle weiterer Kreditausfälle bei Privatkunden. Die Gründe: Steigende Arbeitslosigkeit und Privatinsolvenzen.

Frankfurt am Main - Die Commerzbank  bereitet sich auf weitere Kreditausfälle im Privatkundengeschäft vor. "Wir haben die höchsten Risikostände noch nicht gesehen", sagte der zuständige Vorstand Achim Kassow im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa-afx.

Das liege an der Konjunkturbewegung. "Krisen erreichen das Privatkundengeschäft immer zeitversetzt. Steigende Arbeitslosigkeit und Privatinsolvenzen führen dann zu einer höheren Risikovorsorge." Kurzfristig werde die Risikovorsorge daher noch einmal steigen, sich aber mittelfristig wieder normalisieren.

Trotzdem erwartet Kassow für seinen Bereich im vierten Quartal schwarze Zahlen. In den ersten neun Monaten hatte das Privatkundengeschaft operativ rund 150 Millionen Euro erwirtschaftet und im Saldo rund 130.000 Kunden hinzugewonnen - im Vorjahreszeitraum lag das Kunden-Plus allerdings noch bei 600.000. Für 2010 traut sich der Commerzbank-Vorstand noch keine Ergebnisprognose zu: "Der Markt ist im Moment viel zu volatil, um eine Einschätzung bis Ende 2010 geben zu können." Für den gesamten Konzern rechnet der Vorstand spätestens 2011 mit einer Rückkehr in die Gewinnzone. Das Ergebnis 2010 hänge stark von der Entwicklung der Kapitalmärkte ab, sagte Kassow.

Nach der Übernahme der Dresdner Bank vor gut einem Jahr will sich die Commerzbank künftig neben dem Mittelstand vor allem auf das Privatkundengeschäft konzentrieren. Bis 2012 soll der operative Gewinn in dem Bereich auf 1 Milliarde Euro steigen - und damit rund ein Viertel des Konzerngewinn ausmachen. Außerdem will Kassow sein Institut mit derzeit rund elf Millionen Privatkunden als Marktführer etablieren.

Neben der Deutschen Bank , die laut Vertrag bis 2012 die Mehrheit an der Postbank  übernimmt, sieht Kassow sein Institut gut aufgestellt. "Unser Zusammenschluss ist ja bereits Fakt: Wir sind ab Sommer mit einer gemeinsamen Marke und flächendeckend mehr als 1200 Filialen die führende deutsche Bank im Privatkundengeschäft."

Die Integration der Dresdner Bank spiele der Commerzbank bei ihrem Ziel, Marktführer zu werden, in die Hände. Allerdings sagt Kassow: "Die Integration ist auch ein ganz klar kostengetriebenes Thema." Deutschland habe zu viele verschiedene Banken, das System sei gemessen an den Margen insgesamt zu teuer. Bis 2012 will Kassow in seinem Bereich durch die Zusammenführung der beiden einst getrennten Banken 500 Millionen Euro sparen, ab 2013 sollen es jährlich insgesamt 700 Millionen Euro sein. Insgesamt erwartet die Commerzbank ab 2013 jährliche Synergien von 2,4 Milliarden Euro. Die letzten Filialen werden aber vermutlich erst 2014 zusammengelegt.

manager magazin mit Material von dpa-afx

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