Bestechungsskandal MAN zahlt 150 Millionen Korruptionsstrafe

Der Nutzfahrzeughersteller MAN muss wegen Bestechung ein Bußgeld von rund 150 Millionen Euro zahlen. In der Schmiergeldaffäre habe das Landgericht München eine Zahlung von jeweils 75,3 Millionen Euro für die Nutzfahrzeugsparte und die Maschinensparte festgesetzt. Nach der Affäre hatte MAN-Vorstandschef Håkan Samuelsson Ende November seinen Rücktritt erklärt.

München - MAN  hat offenbar Kunden in Europa, Afrika und Asien bestochen, um Großaufträge vor allem für Busse zu erhalten. Deshalb muss der Lastwagen- und Maschinenhersteller MAN eine Geldbuße in Höhe von 150 Millionen Euro zahlen. Die Münchner Staatsanwaltschaft und das Landgericht setzten am Donnerstag für die Konzernsparten Nutzfahrzeuge und Turbo jeweils Zahlungen von 75,3 Millionen Euro fest. So sollen die durch Bestechung erzielten Gewinne abgeschöpft werden.

Die Staatsanwaltschaft kam zu dem Ergebnis, dass die Compliance-Struktur in der Nutzfahrzeugsparte mangelhaft gewesen sei. Dadurch seien "in einer Vielzahl von Fällen" Bestechungsgelder gezahlt worden. Die Verletzung der Aufsichtspflicht stelle eine Ordnungswidrigkeit dar, hieß es in der Mitteilung weiter. Zum raschen Abschluss des Verfahrens habe die Kooperation des Konzerns und seiner Töchter beigetragen.

MAN verzichtete auf Rechtsmittel, weshalb die Ermittlungen sieben Monate nach Bekanntwerden des Skandals beendet sind. "Für uns ist die Sache damit erledigt", sagte ein MAN-Sprecher. Die Ermittlungs- und Bußgeldverfahren gegen Einzelpersonen gehen aber laut Staatsanwaltschaft weiter und dürften noch "erhebliche Zeit" dauern.

Bei MAN waren Anfang Mai bundesweit Fahnder zu einer Razzia angerückt, weil der Konzern den Absatz jahrelang mit Schmiergeldern angekurbelt hatte. Die Ermittlungen erstreckten sich auf die Zeit zwischen 2002 und 2009. Die Zahl der Beschuldigten stieg rasch von drei auf weit über 100, von denen rund die Hälfte im MAN-Vertrieb ausgemacht wurde.

Für den Skandal übernahm MAN-Chef Håkan Samuelsson Ende November die Verantwortung und trat zurück, wohl auch auf Druck von MAN-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch. Nach dem Vorstandsvorsitzenden nahm auch der Chef der Nutfahrzeugsparte, Anton Weinmann, seinen Hut. Konzern-Finanzvorstand Karlheinz Hornung kündigte seinen Rückzug für den 11. Dezember an.

MAN hatte nach Bekanntwerden des Skandals Anwälte, Steuerrechtler und Buchprüfer mit der Aufarbeitung der Affäre beauftragt. Die Ergebnisse der internen Untersuchungen sollen am Freitag dem Aufsichtsrat vorgelegt werden. Das Kontrollgremium will zudem über einen endgültigen Nachfolger für Samuelsson an der Konzernspitze entscheiden. Nach dem überraschenden Rücktritt wurde Dieselmotorenchef Georg Pachta-Reyhofen zum kommissarischen Vorstandsvorsitzenden ernannt.

manager-magazin.de mit Material von afp, dpa und reuters