Dienstag, 23. Juli 2019

Wirtschaftsmacht Brasilien Die Kraft der 190 Millionen

Brasilien hat die Krise abgeschüttelt wie eine lästige Fliege. Präsident Lula verbindet den Kampf gegen die Armut mit rasendem Wachstum des Konsummarkts. Kommende Großereignisse wie die Fußball-WM und Olympia versprechen weiteres Prestige - und Milliardenaufträge für die deutsche Wirtschaft.

Hamburg - Selbst im prunkvollen Kaisersaal des Hamburger Rathauses kokettiert Luiz Inácio Lula da Silva mit seiner Vergangenheit als militanter Gewerkschaftsführer. Der brasilianische Präsident, am vergangenen Freitag auf Staatsbesuch in der Hansestadt, redet die versammelten deutschen Manager konsequent mit "Companheiros" an. Aber auch in Hamburg wird der "beliebteste Präsident der Welt" (US-Kollege Barack Obama über Lula) wohlwollend aufgenommen. In sieben Regierungsjahren hat sich der einstige Bürger- und Börsenschreck zum Darling der Weltwirtschaft gemausert.

Die deutsche und die brasilianische Wirtschaft seien schon immer eng verbunden gewesen, sagt Lula. "Die Zeit für einen neuen Sprung ist gekommen." Hamburg sei der ideale Ort dafür, umschmeichelt er die Hanseaten. Schließlich habe die Stadt schon 1826 das erste deutsch-brasilianische Handelsabkommen geschlossen, kurz nach der Unabhängigkeit seines Landes.

Gerade hat er mit Bundeskanzlerin Angela Merkel ein neues Abkommen vereinbart - Deutschland will Brasilien in der Vorbereitung von Fußball-Weltmeisterschaft und Olympischen Spielen unterstützen, vor allem mit Investitionen in Energie, Infrastruktur und Sicherheitstechnik. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der die Initiative "Win-Win 2014/2016" mit angeschoben hat, erwartet Investitionen von mehr als 200 Milliarden Euro allein in die Infrastruktur, von denen einige in Aufträge für deutsche Konzerne münden sollen. Im Februar will Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) eine Delegation deutscher Unternehmer nach Brasilien führen.

"Brasilien könnte China als größte Baustelle der Welt ablösen, wenn diese Projekte alle verwirklicht werden", sagt Peter Rösler. Der Volkswirt ist stellvertretender Geschäftsführer des Lateinamerika Vereins, der seit 1916 die Interessen der deutschen Wirtschaft auf dem Kontinent vertritt. "Wir sind da natürlich nicht allein", sagt Rösler. "Andere schicken gleich ihren Präsidenten hin, wenn es um solche Aufträge geht", spielt er auf den jüngsten Besuch des französischen Staatschefs Nicolas Sarkozy an.

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