Konjunktur Überraschender Rückschlag für Gesamtproduktion

Das produzierende Gewerbe hat im Oktober einen überraschenden Rückschlag bei der Produktion erlebt. Die Gesamtproduktion sei auf Monatssicht preis- und saisonbereinigt um 1,8 Prozent gesunken, teilte das Wirtschaftsministerium am Dienstag in Berlin mit.

Berlin - Von der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-afx befragte Volkswirte hatten indes mit einem Anstieg um 0,6 Prozent gerechnet. Der deutliche Zuwachs im Vormonat wurde allerdings noch weiter nach oben revidiert. Demnach stieg die Produktion im September um 3,1 statt 2,7 Prozent.

Deutliche Rückschläge mussten vor allem der Energiesektor (minus 3,4 Prozent) und das Baugewerbe (minus 2,4 Prozent) hinnehmen. Aber auch die wichtige Industrieproduktion legte mit minus 1,6 Prozent den Rückwärtsgang ein. Innerhalb der Industrie machte sich vor allem ein starker Rückgang bei den Investitionsgütern (minus 3,5 Prozent) bemerkbar. Die Produktion von Konsumgütern sank um 1,9 Prozent, während bei den Vorleistungsgütern ein Plus von 0,6 Prozent zu Buche schlug.

Der Rückgang der Industrieproduktion folge auf teilweise kräftige Zunahmen in den Vormonaten, kommentierte das Ministerium die Zahlen. Im Gegensatz zu den vorangegangenen Monaten erlebte besonders der Maschinen- und Fahrzeugbau kräftige Rückgänge. In der Tendenz bleibe die industrielle Erzeugung aber deutlich aufwärts gerichtet, so das Ministerium. "Die Erholung der Industrieproduktion dürfte sich im vierten Quartal mit gedämpfter Dynamik fortsetzen."

Im aussagekräftigeren Zweimonatsvergleich (September/Oktober gegenüber Juli/August) stieg die Gesamtproduktion um 3,0 Prozent. Auf Jahressicht ging die Produktion im Zweimonatsvergleich (September/Oktober) zwar erneut deutlich um 12,5 Prozent zurück. Der Abwärtstrend verlangsamte sich aber weiter. Gegenüber Oktober 2008 sank die Gesamtproduktion bereinigt um 12,4 Prozent.

Volkswirte sprechen von einem "Ausrutscher"

Die Aufholjagd der deutschen Industrie ist laut Commerzbank trotz des jüngsten Produktionsminus allerdings nicht beendet. Zwar sei ein ähnlich starker Zuwachs der Produktion im Schlussquartal wie im dritten Vierteljahr unwahrscheinlich, heißt es in einer Studie vom Dienstag. Unternehmensumfragen deuteten aber einen anhaltenden Erholungskurs an. Zudem habe die Produktion von Stahl und Roheisen im November weiter zugelegt. "Deshalb ist der Rückgang im Oktober wohl in erster Linie als eine Gegenbewegung zu dem kräftigen Anstieg im September zu sehen."

Auch nach Einschätzung der NordLB ist der schwache Start in das letzte Quartal nicht richtungweisend. Bei den Rückgängen der Industrieproduktion und den Auftragseingängen dürfte es sich lediglich um einen "Ausrutscher" handeln, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Bankhauses. Allerdings bestünden die Risiken für einen sich selbst tragenden Aufschwung natürlich auch gegen Jahresende fort. Die Daten zur Industrieproduktion seien eine "kleine Ernüchterung". Die Zahlen müssten auch vor dem Hintergrund der vergangenen Monate beurteilt werden. Schließlich handele es sich um die erste Ernüchterung nach einem starken halben Jahr.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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