Großbritannien London plant Steuer auf Bankerboni

Weil führende Banker nicht auf ihre Boni verzichten wollen, plant der britische Schatzkanzler Alistair Darling die Einführung einer Steuer auf die Sonderzahlungen. Mehr als 1000 Investmentbanker der staatlichen Royal Bank of Scotland sollen im Streit um Boni bereits ihren Job gekündigt haben.

London - Nach heftigem Widerstand gegen Bankerboni plant das britische Finanzministerium eine Sondersteuer auf solche Provisionszahlungen. Die Regierung wolle auf diese Weise dem zunehmenden Ärger der Bevölkerung über die hohen Bankerboni Rechnung tragen, berichtete die Zeitung "Sunday Observer".

Experten rechnen für dieses Jahr mit Bonuszahlungen in Höhe von sechs Milliarden Pfund (derzeit 6,6 Milliarden Euro). Die Höhe der Bonisteuer sei noch unklar. Sie sei nur eine von mehreren Steuerbelastungen für Wohlhabende, die Finanzminister Alistair Darling im vorläufigen Haushaltsbericht am Mittwoch stärker zur Kasse bitten will.

Darling wollte die Pläne für eine Bonisteuer am Sonntag nicht direkt kommentieren. "Wir müssen fair und realistisch werden", sagte der Minister dem Sender BBC. "Die Menschen werden verstehen, dass wir in einer schwierigen Zeit wie dieser erwarten, dass die breitesten Schultern die größten Lasten tragen." Die höhere Einkommenssteuer für Wohlhabende werde im April nächsten Jahres definitiv kommen.

Auch die Erbschafts- und Kapitalertragssteuer sollen erhöht werden. Der britische Oppositionsführer David Cameron warnte die Labour-Regierung am Sonntag vor einem Klassenkampf um Stimmen für die Parlamentswahlen, die spätestens im Juni stattfinden.

Mehr als 1000 Investmentbanker der staatlichen Royal Bank of Scotland (RBS) haben laut einem Bericht der "Sunday Times" im Streit um Bonuszahlungen bereits ihren Job gekündigt. Sie reagierten damit auf Drohungen des Finanzministeriums als Hauptaktionär, Boni in Höhe von insgesamt 1,5 Milliarden Pfund (derzeit rund 1,65 Milliarden Euro) nicht zu genehmigen.

Allein das Jahresgehalt der Investmentbanker, die nun ihren Hut genommen haben, betrug demnach 600 bis 700 Millionen Pfund im vergangenen Jahr. Konkurrenten hatten sie abgeworben und ihnen garantierte Boni zugesagt. In der Finanzbranche ist eine bezahlte Übergangszeit von mindestens drei Monaten üblich.

Die Briten steuern in diesem Jahr auf ein Jahresdefizit in Höhe von 175 Milliarden Pfund (192 Milliarden Euro) hin. Der dramatische Anstieg ist auf den Ausfall von Steuereinnahmen infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise zurückzuführen. Darling hatte versprochen, das Defizit in den kommenden vier Jahren zu halbieren. Laut einem Bericht der "Sunday Times" will der Minister eine dreijährige Haushaltssperre für die Ausgaben aller Ministerien verhängen.

Großbritannien hatte bereits im vergangenen Jahr ein kräftiges Haushaltsdefizit verbucht. Rund 78 Milliarden Pfund Neuschulden entsprachen einem Defizit von 5,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die Briten lagen damit über dem EU-Limit von 3,0 Prozent.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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