Deutsche Bank Ackermann-Fonds schnell starten

Die Deutsche Bank will den von Vorstandschef Josef Ackermann vorgeschlagenen Mittelstandsfonds gegen die Kreditkrise rasch auflegen. Gut Chancen für den Mittelstand sieht Wirtschaftsminister Rainer Brüderle in China. Peking schätze faire Partner wie die Deutschen, sagte Brüderle zum Auftakt seiner China-Reise.

Peking/Berlin - "Es darf nicht zuviel Zeit verlorengehen", sagte Deutsche-Bank-Vorstand Jürgen Fitschen am Sonntag in Peking am Rande des China-Besuchs von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle der Nachrichtenagentur dpa. Der Fonds, aus dem Firmen Finanzspritzen für ihr Eigenkapital bekommen sollen, müsse in Absprache mit der Bundesregierung "relativ zügig umgesetzt werden", um dem Mittelstand im schwierigen nächsten Jahr zu helfen.

Laut Finanzkreisen ist als Startkapital eine Summe von bis zu 300 Millionen Euro im Gespräch. Fitschen wollte sich nicht zu Beträgen oder der Möglichkeit äußern, dass die Deutsche Bank  den Löwenanteil selbst übernimmt. "Ich möchte noch nichts zu Einzelheiten sagen. Wir sind da sehr offen. Es muss etwas sein, was den Unternehmen, an die es gerichtet ist, helfen kann", sagte der Manager, der Chef des Deutschland-Geschäfts der Frankfurter Großbank ist.

Ackermann und die Sparkassen hatten beim Krisengipfel gegen eine drohende Kreditklemme am vergangenen Mittwoch im Kanzleramt den neuen Fonds vorgeschlagen. Dabei geht es nicht um Kredite. Aus diesem Mittelstandsfonds sollen Firmen Geld (nachrangige Darlehen) zur Stärkung ihres Eigenkapitals erhalten. So bekämen sie bessere Noten bei der Bewertung ihrer Finanzstärke und günstiger Kredite.

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte nach dem Treffen gesagt, auch andere Banken oder Versicherungen könnten den Fonds unterstützen. "Wenn andere bereit sind, in dieses Konzept miteinzusteigen, dann kann das durchaus die bessere Lösung sein", betonte Fitschen.

2010 kommt nach seiner Einschätzung erneut ein unruhiges Jahr auf die Banken zu. Die Bundesbank fürchtet, dass in den Bilanzen deutscher Banken noch immer Risiken aus "Giftpapieren" von etwa 90 Milliarden Euro schlummern. "Es gibt verschiedene Faktoren, die dazu führen können, dass es enger wird", sagte Fitschen.

Brüderle: "Gute Chancen für deutschen Mittelstand in China"

Die deutsche Wirtschaft will unterdessen stärker von den riesigen Konjunkturprogrammen in China profitieren. Bundeswirtschaftsminister Brüderle sagte am Sonntag in Peking, gerade für den Mittelstand gebe es bei den Milliardeninvestitionen in Straßen, Schienen und Fabriken große Chancen. China schätze faire Partner wie die Deutschen und wolle keine "Schnäppchenjäger". Der FDP-Politiker macht als erstes Mitglied der neuen schwarz-gelben Bundesregierung bis Montag den "Antrittsbesuch" bei der asiatischen Wirtschaftsmacht.

Unmittelbar vor dem Weltklimagipfel in Kopenhagen erinnerte Brüderle die Chinesen aber auch an ihre Verantwortung für den Umweltschutz. "Kopenhagen kann ohne China kein Erfolg sein." China will rechtlich bindende Klimaschutzziele nicht unterschreiben. Das bevölkerungsreichste Land der Erde will in den nächsten Jahren lediglich seinen sehr hohen Energieverbrauch gemessen an der Wirtschaftsleistung reduzieren.

Der Chef des weltgrößten Chemiekonzerns BASF , Jürgen Hambrecht, forderte ehrgeizigere Ziele der Chinesen: "Das ist viel zu wenig." Die Energieeffizienz pro Jahr nur um etwa 2,5 Prozent steigern zu wollen, reiche bei weitem nicht. China müsse sein Wirtschaftswachstum mit dem Klimaschutz versöhnen und seine Rohstoffe effizienter nutzen, sagte Hambrecht, der an der Spitze einer Managerdelegation steht, die den Minister begleitet.

Brüderle betonte vor Gesprächen mit mehreren Ministern und hohen Parteifunktionären in Peking, der in Ökotechnologien führende deutsche Mittelstand könne China helfen, umweltschonender zu produzieren.

Brüderle will im Namen der Bundesregierung bei dem Besuch vor allem auf eine stärkere Öffnung der Dienstleistungsbranche und den Schutz deutscher Firmen vor Produktpiraterie pochen. Umgekehrt wollen die Chinesen erfahren, ob sie auch weiterhin mit deutscher Entwicklungshilfe rechnen können, hieß es in der deutschen Delegation. Es hat sich bis nach Peking herumgesprochen, dass FDP-Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel diese Hilfen für technische und finanzielle Zusammenarbeit streichen will. Daneben soll auch die problematische Menschenrechtslage in China erörtert werden.

Brüderle lobte China für seine Rolle in der Finanzkrise. "China hat sich bei der Stabilisierung der Weltwirtschaft sehr vernünftig verhalten." Die Weltbank sagt China in diesem Jahr trotz der globalen Krise ein starkes Wachstum von 8,4 Prozent voraus. Peking stemmt sich mit einem Konjunkturpaket von rund 390 Milliarden Euro und billigen Staatskrediten gegen die Krise.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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