Kleinstwagenplan Reilly will Mini-Opel bauen

Der neue GM-Europa-Chef Nick Reilly kritisiert Lücken in der Produktpalette. Opel brauche einen Kleinstwagen unterhalb des Corsa, dem bislang kleinsten Modell. Zudem müsse im Bereich kleiner Nutzfahrzeuge etwas getan werden. Größte Chancen sieht Reilly auch bei Hybrid- und gasbetriebenen Fahrzeugen.

Rüsselsheim/Frankfurt am Main - "Opel braucht einen Kleinstwagen. Das wird die höchste Priorität haben", sagte GM-Europa-Chef Nick Reilly am Samstag während einer Telefonkonferenz. Probleme in der Positionierung der Marke gebe es hingegen keine. Opel stehe für gute Qualität und ein aufregendes Design.

Zugleich kündigte Reilly an, möglicherweise schon in der kommenden Woche sein neues Management-Team vorzustellen. Ob der bisherige Geschäftsführer der Adam Opel GmbH, Hans Demant, dazugehört, ließ er offen. Er wolle keine Kommentare zu einzelnen Personen abgeben, sagte Reilly.

Die Pläne zur Umstrukturierung in Europa seien zu "90 oder 95 Prozent" fertig. "An der einen oder anderen Ecke kann es noch kleinere Veränderungen gebe." Die Pläne sollen aber bis Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres vorliegen. Dafür seien noch zwei bis drei Arbeitswochen nötig, dazwischen liege Weihnachten, sagte der neue starke Mann von General Motors in Europa.

Der Sanierungsplan sei unabhängig von staatlichen Hilfen der Länder mit Opel-Standorten. "Es macht keinen Unterschied für unseren Umstrukturierungsplan, wie die Unterstützungen der Regierungen ausfallen", sagte Reilly. Von verschiedenen Ländern habe es aber bereits positive Signale gegeben.

GM will zur Rettung von Opel selbst 600 Millionen Euro aufbringen und 2,7 Milliarden an Beihilfen von den Regierungen einsammeln. Dafür warb Reilly am Freitag auch bei den EU-Mitgliedstaaten während eines Treffens in Brüssel. Reilly räumte ein: "Wir wären natürlich enttäuscht, sollte Deutschland das einzige Land sein, das jegliche Hilfe verweigert."

Bei den neuen Freiheiten für Opel - der Autobauer darf seine Fahrzeuge künftig weltweit vertreiben - will Reilly aber auf den Profit achten. "Wir machen das nicht, um mehr Autos zu produzieren - es muss Geld bringen." Als warnende Beispiele aus der Vergangenheit nannte Reilly die Versuche von Opel, in Indien oder Japan Fuß zu fassen. Aus diesen Märkten habe sich Opel mangels Konkurrenzfähigkeit wieder zurückgezogen.

Reilly bekräftigte noch einmal die am Freitag vorgestellten Pläne, doch keine Ingenieursstellen am Rüsselsheimer Entwicklungszentrum von Opel zu streichen. Ein früheres GM-Sanierungskonzept hatte vorgesehen, rund 550 Ingenieursstellen an dem Entwicklungszentrum. Dieser Plan sei aber inzwischen endgültig vom Tisch, sagte Reilly.

Aktuell sei allerdings die Streichung von rund 8300 der 48.000 Stellen bei Opel und Vauxhall geplant. Damit bestätigte Reilly erneut die Zahlen, die bereits ein vorläufiger Sanierungsplan vorgesehen hatte. Das endgültige Umbaukonzept soll in den kommenden zwei bis drei Wochen vorgelegt werden. Der bisherige Interimschef Reilly war am Freitag zum neuen Präsidenten von General Motors Europe ernannt worden.

manager-magazin.de mit Material von dpa, ddp und reuters

Hoffen und Bangen: Die Opel-Standorte

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