Bayer-Chef Wenning "Die Finanzbranche muss aufpassen"

Bayer-Chef Werner Wenning hat die Banken scharf kritisiert. Es sei nicht nachvollziehbar, dass Institute, die mit Staatshilfe gerettet worden seien, heute wieder hohe Boni zahlten, sagte der Manager. Das Ifo-Institut geht unterdessen davon aus, dass die Banken erst 40 Prozent ihrer faulen Wertpapiere abgeschrieben haben.

Frankfurt am Main - "Die Finanzbranche muss aufpassen, dass sie sich von der Gesellschaft nicht noch weiter entfernt", sagte Bayer-Vormann Werner Wenning der "Bild"-Zeitung". Es sei nicht nachvollziehbar, dass Banken, die mit Staatshilfe gerettet worden seien, heute wieder hohe Boni zahlten, so Wenning.

Sein Eindruck sei, dass einige Banker noch keine Lehren aus der Krise gezogen hätten. Insofern habe Kanzlerin Angela Merkel grundsätzlich mit ihrer Feststellung recht, dass manche Banker schon wieder eine dicke Lippe riskierten.

Wenning warf den Banken vor, "heiße Luft" statt dauerhafter Werte zu schaffen. "Hoffentlich findet dort ein Umdenken statt. Nachhaltigkeit ist gefragt ein kurzfristiges Handeln ist zum Scheitern verurteilt. Und darüber hinaus gilt das einfache Prinzip: Wer den Nutzen hat, muss auch für den Schaden aufkommen."

Zur Frage, ob die Krise vorbei sei, sagte der Bayer-Chef: "Der Tiefpunkt ist überwunden, aber wir sind noch lange nicht über den Berg. Es ist auch zu früh, um von einem sich selbst tragenden Aufschwung zu sprechen. Das liegt vor allem auch daran, dass in den USA der Konsum noch nicht anzieht."

Zu den größten Risiken für den Aufschwung zähle unter anderem die Entwicklung am Arbeitsmarkt: "Die Arbeitslosigkeit wird trotz aller Anstrengungen von Politik und Wirtschaft weiter steigen. Das verunsichert die Menschen, und deshalb halten sie sich bei größeren Anschaffungen zurück. Zudem müssen wir dafür sorgen, dass der normale Finanzkreislauf speziell für kleine und mittlere Unternehmen wieder in Schwung kommt." Hier seien vor allem die Banken gefragt, sagte Wenning.

Ifo-Chef Sinn: "Hälfte des Eigenkapitals wird vernichtet"

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn geht davon aus, dass man die Tragweite der Finanzkrise heute noch nicht ermessen kann. Das deutsche Bankensystem sei sehr viel mehr geschädigt, als es die Bankbilanzen bislang zeigten, schrieb er in einem Beitrag für die "Wirtschaftswoche". Bislang hätten die Institute erst gut 40 Prozent der faulen Wertpapiere abgeschrieben. "60 Prozent stehen noch aus, was bedeutet, dass die deutschen Banken mehr als die Hälfte ihres Eigenkapitals (175 Milliarden von 305 Milliarden Euro) verlieren."

Die USA hätten zudem einen so schweren Schlag erlitten, dass das Land noch länger am Boden liegen könne. "Die Mutation des Casino-Kapitalismus zur Volksrepublik ist atemberaubend." Die Dimensionen der Krise gingen weit über das hinaus, was man noch vor Monaten für möglich gehalten hätte. "So positiv die Börsenmeldungen und Wachstumszahlen in letzter Zeit waren, so schockierend sind die Hintergründe der Krise."

manager-magazin.de mit Material von ap