Opel Franz und Reilly kommen sich entgegen

GM und Opel legen die Waffen nieder. GM-Europachef Nick Reilly und Opel-Betriebsratschef Klaus Franz sind zu Zugeständnissen bereit. Das dürfte die Sanierung von Opel erleichtern. Der Europa-Statthalter will bis Mitte Dezember einen Restrukturierungsplan für Opel vorlegen. Dafür wird er auch deutsche Staatshilfe benötigen.

Rüsselsheim - Nach einer heftigen Auseinandersetzung über die Zukunft von Opel schlagen die Opel-Mutter General Motors und die Beschäftigten des Autobauers nun einen deutlich versöhnlicheren Kurs ein. Während der von GM entsandte Opel-Sanierer Nick Reilly am Freitag Abstand vom geplanten Stellenabbau im Entwicklungszentrum in Rüsselsheim nahm, signalisierte Betriebsratschef Klaus Franz Bereitschaft für Lohnzugeständnisse der Mitarbeiter.

Kürzlich noch Feinde: GM-Europachef Nick Reilly (l.) und Opel-Betriebsratschef Klaus Franz gehen aufeinander zu

Kürzlich noch Feinde: GM-Europachef Nick Reilly (l.) und Opel-Betriebsratschef Klaus Franz gehen aufeinander zu

Foto: REUTERS

Beide hatten auf einer Betriebsversammlung am Opel-Stammsitz vor etwa 9000 Beschäftigten gesprochen und waren danach gemeinsam vor die Presse getreten. Bis vor kurzem hatten sich Reilly und Franz noch einen öffentlichen Kampf geliefert und gemeinsame Auftritte gemieden. Noch vergangene Woche hatte Franz dem Management eine chaotische Unternehmensführung vorgeworfen und mit rechtlichen Schritten gedroht.

"Reilly verkörpert für mich New GM"

Nun scheinen beide ihr Kriegsbeil begraben zu haben: Wenn es um die Zukunft von Opel gehe, hänge sehr viel an der Person von Nick Reilly, sagte Franz. "Er verkörpert für mich New GM." Die Sanierung von Opel wollten die Arbeitnehmervertreter nun gemeinsam mit dem GM-Management angehen. "Wir brauchen keine Pro Familia wenn die Tochter wieder zur Mutter zurück soll."

Die Mitarbeiter seien grundsätzlich zu Zugeständnissen an GM bereit. Er wolle in den Verhandlungen dort ansetzen, wo er in den Gesprächen mit dem Opel-Bieter Magna aufgehört hatte. Mit dem Zulieferer hatten sich die Beschäftigten bereits auf Zugeständnisse über 265 Millionen Euro pro Jahr geeinigt. Berichten zufolge soll davon der größte Teil von der deutschen Belegschaft getragen werden. Hier arbeitet etwa die Hälfte der europaweit 50.000 Mitarbeiter.

Entwicklungszentrum Rüsselsheim bleibt unangetastet

Auch Reilly blieb seinen Teil der Versöhnungsrede nicht schuldig. Am Ende der Verhandlungen mit den Mitarbeitern sei die geforderte Umwandlung von Opel in eine Aktiengesellschaft möglich, stellte er in Aussicht. Von diesem Schritt erhofft sich der Betriebsrat mehr Unabhängigkeit für Opel. Zudem solle das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim als wichtiger Bestandteil von GM in Europa erhalten bleiben. Nach Angaben von Franz nimmt GM Abstand von dem dort geplanten Abbau von 548 Stellen.

Die Annäherung dürfte die Sanierung von Opel erleichtern. Reilly will bis Mitte Dezember einen Restrukturierungsplan für Opel vorlegen. Dabei ist GM auf Zugeständnisse der Mitarbeiter angewiesen, um Opel langfristig profitabel zu machen. Europaweit könnte der Arbeitsplatzabbau auch geringer als die veranschlagten rund 9000 Stellen ausfallen, erklärte Reilly. In dem aktuellen Plan ist Kreisen zufolge ein Abbau von rund 8300 Stellen vorgesehen. Fragen zur Zukunft des Werks in Antwerpen, das dem Plan zufolge geschlossen werden soll, wich Reilly aus.

Zur Sanierung von Opel will GM auch Staatshilfen in Anspruch nehmen. Ob der Konzern dafür wie zuvor erklärt 2,7 Milliarden Euro benötige, sei noch nicht sicher, sagte Reilly. Bislang habe er jedoch positive Signale erhalten, sowohl von der Bundesregierung als auch von anderen europäischen Staaten. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle hatte das GM-Konzept am Donnerstag aber noch als unzureichend zurückgewiesen.

Im Anschluss an die Betriebsversammlung reist Reilly nach Brüssel, um dort bei einem Treffen der EU-Wirtschaftsminister über Opel zu beraten. Auch dort dürften die Staatshilfen Thema sein. Am kommenden Montag will Betriebsratschef Franz in Detroit direkt mit GM-Verwaltungsrats- und Konzernchef Ed Whitacre über die Sanierung von Opel sprechen. Er habe Whitacre um das Gespräch gebeten. Dieser habe ihn daraufhin nach Detroit eingeladen, sagte er.

manager-magazin.de mit Material von reuters

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.