Opel GM will sich durch deutsche Opfer sanieren

Die US-Opel-Mutter General Motors plant den Lohnverzicht hiesiger Opel-Angestellte fest ein, um Opel zu sanieren - und damit teilweise auch sich selbst. Neben Stellenstreichungen sollen offenbar 70 Prozent des geplanten Sparvolumens von den 25.000 Opel-Beschäftigten in Deutschland kommen. Damit trägt die Bundesrepublik die Hauptlast der Sanierung.

Rüsselsheim - Die deutschen Opel-Mitarbeiter sollen nach den Vorstellungen des Mutterkonzerns General Motors (GM) die Hauptlast des fest vom US-Konzern einkalkulierten Sparbeitrags der Arbeitnehmer von insgesamt 265 Millionen Euro pro Jahr tragen.

Wie aus dem vorläufigen Konzept des Konzerns hervorgeht, das dem "Handelsblatt" vorliegt, wollen die Amerikaner allein von den deutschen Mitarbeitern, die etwa die Hälfte der Belegschaft in Europa ausmachen, etwa 177 Millionen Euro an Einsparungen einsammeln Das soll zum Beispiel durch den Wegfall von übertariflichen Leistungen geschehen.

Knapp 70 Prozent des Sparbeitrags sollen damit allein von den rund 25.000 Beschäftigten in Deutschland kommen. Die Belegschaft hatte dem abgewiesenen Opel-Interessenten Magna bereits Zusagen über ein Sparpaket von 265 Millionen Euro gegeben, diese aber von dem Eigentümerwechsel zum austro-kanadischen Zulieferer abhängig gemacht.

Der Opel-Betriebsrat erwartet von Reilly konkrete Angaben über die Pläne des US-Mutterkonzerns General Motors (GM) zu den europäischen Werken und Arbeitsplätzen. Außerdem soll Reilly das GM-Konzept für ein eigenständiges Unternehmen Opel/Vauxhall vorlegen, wie aus der Einladung des Betriebsrates hervorgeht. Dabei wollen die Opelaner auch beschließen, welche Garantien sie von GM beispielsweise für einen Lohnverzicht verlangen. Reilly will den Opel-Sanierungsplan offiziell Mitte Dezember präsentieren.

Ein Grobkonzept für die Zukunft von Opel hatte GM der Bundesregierung bereits diese Woche vorgelegt. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) erwartet aber noch mehr Details, bevor er Staatshilfen erwägen will. In Brüssel trifft er sich unter anderen mit Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes und Industriekommissar Günter Verheugen. Mit der Absprache auf EU-Ebene soll sichergestellt werden, dass es kein gegenseitiges Überbieten der europäischen Regierungen mit Finanzbeihilfen für den Autobauer zur Rettung eigener Standorte und zu Lasten der Werke in anderen EU-Ländern gibt.

Opel-Werk Antwerpen vor dem Aus

Im Rahmen der Restrukturierung nimmt GM überdies eine rasche Schließung des belgischen Werkes Antwerpen ins Auge. Wie aus dem mit "streng geheim" deklarierten GM-Plan hervorgeht, ist eine Schließung des Werks im ersten Halbjahr 2010 beabsichtigt. Es werde allerdings noch nach einem Ersatz für den auslaufenden Astra-Auftrag in Antwerpen gesucht, weshalb eine endgültige Entscheidung noch nicht gefallen sei, heißt es in den Unterlagen, die der Bundesregierung übersandt wurden.

GM will mit Opel in Europa in drei Jahren wieder Gewinne einfahren. Dabei sollen weniger Stellen gestrichen werden als noch in der vergangenen Woche von Reilly angekündigt. Für das Jahr 2012 rechnet der Mutterkonzern mit einem Vorsteuergewinn der europäischen Tochter Opel/Vauxhall von rund einer Milliarde Dollar. Das sind umgerechnet rund 661 Millionen Euro. 2009 und 2010 erwartet GM in Europa aber noch tiefrote Zahlen mit einem operativen Gesamtverlust von über sechs Milliarden Dollar.

Nach rund 1,2 Millionen Autos im laufenden Jahr sollen Opel und Vauxhall 2012 den Absatz auf rund 1,53 Millionen Fahrzeuge steigern, 2014 auf 1,68 Millionen.

GM dem Konzept zufolge 8313 der 48.000 Stellen bei Opel und Vauxhall in Europa streichen. Vergangene Woche hatte Reilly noch von rund 9000 Stellenstreichungen gesprochen. Im Stammwerk Rüsselsheim stehen gut 2300 Stellen in Produktion, Verwaltung und in der Entwicklung auf der Kippe. Das Werk Bochum muss um 1799 Stellen bangen und Eisenach und Kaiserslautern um jeweils etwa 300 Jobs in der Produktion. Zusammen wären das 4700 statt der von Reilly als Maximum angekündigten 5400 Stellenstreichungen. Insgesamt beschäftigt Opel in seinen vier deutschen Werken 24.300 Menschen.

manager-magazin.de mit Material von afp, ddp und reuters

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