Dienstag, 24. September 2019

Dubai-Crash "Sie verstehen überhaupt nichts"

Die hoch verschuldete Staatsholding Dubai World legt Tage nach Bekanntwerden ihrer Zahlungsprobleme Details zur Sanierung vor. Die erhoffte Beschwichtigung bleibt aber aus. Die Ratingagentur Moody's setzt die Verpflichtungen des Wüstenstaates unterdessen mal eben 20 Milliarden höher an als angenommen.

Dubai - Von der Restrukturierung seien 26 der insgesamt 59 Milliarden Dollar Schulden der Holding betroffen, kündigte Dubai World am Montagabend an. Rund sechs Milliarden Dollar entfielen auf eine Anleihe der staatlichen Baufirma Nakheel, Bauherr der berühmten Palmeninseln vor der Küste Dubais. Die Restrukturierung betreffe zudem die Immobilienfirma Limitless World. Andere Teile der Holding seien nicht berührt.

Abwärtstrend: In Dubai sieht man sich angesichts immer neuer Hiobsbotschaften als Opfer einer "ungerechten Kampagne"
Die Finanzmärkte am Golf kamen auch nach dieser Ankündigung nicht zur Ruhe: In Abu Dhabi und Dubai brachen die Aktienmärkte erneut ein und schlossen mit Verlusten. In Katar gab der Markt 9 Prozent ab am ersten Handelstag nach einer fünftägigen Feiertagspause.

In Europa, Asien und den USA erholten sich die Märkte. Der Dow-Jones-Index Börsen-Chart zeigen schloss am Montagabend leicht im Plus, der Nikkei Börsen-Chart zeigen in Tokio notierte zum Handelsschluss am Dienstag mehr als 2 Prozent höher, der Dax Börsen-Chart zeigen in Frankfurt lag im Mittagshandel ebenfalls rund 2 Prozent im Plus.

Die Gespräche mit den Banken von Dubai World hätten begonnen und verliefen konstruktiv, teilte die Holding mit. Der Restrukturierungsprozess solle "angemessen und zum Vorteil aller Anteilseigner" ablaufen. Es werde mehrere Phasen geben, auch der Verkauf von Unternehmensbereichen werde geprüft. Genauere Angaben machte die Holding nicht. Offensichtlich um mehr Transparenz bemüht, will Dubai World nach eigenen Angaben die Investoren künftig regelmäßig über den neuesten Stand der Sanierung auf dem Laufenden halten.

Dubai World hatte vor knapp einer Woche um einen sechsmonatigen Zahlungsaufschub für knapp sechs Milliarden Dollar Schulden gebeten und damit an den Märkten weltweit Furcht vor einer zweiten Welle der Finanzkrise ausgelöst. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) werfen ausländischen Medien vor, die Ereignisse überzubewerten.

Die Angelegenheit werde von der Presse behandelt als sei Dubai "zusammengebrochen oder Pleite gegangen", sagte Dahi Chalfan, Chef der Budgetkommission 2010 der VAE, einer lokalen Zeitung vom Dienstag. Die Wirtschaft werde sich unberührt von "dieser ungerechten und völlig unobjektiven Kampagne" erholen, sagte Khalfan.

Auch an oberster Stelle in Abu Dhabi und Dubai bemühte man sich um Schadensbegrenzung, nachdem die Regierung von Dubai am Montag zur Enttäuschung vieler Anleger angekündigt hatte, nicht für die Schulden von Dubai World geradezustehen. Dubai sei "stark und beständig", sagte Dubais Herrscher, Scheich Mohammed bin Raschid al Maktum.

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