GM-Tochter Koenigsegg bläst Saab-Übernahme ab

Der Verkauf der defizitären GM-Tochter Saab ist vorerst gescheitert. Nach monatelanger Prüfung sagte der schwedische Luxuswagenhersteller Koenigsegg die Übernahmegespräche am Dienstag ab. Nicht Geld habe am Ende gefehlt, sondern Zeit. Nun wird das Aus für Saab befürchtet.

Stockholm/Detroit - Die Stockholmer Regierung hatte damit gerechnet, dass die EU-Prüfung solcher Hilfen noch mehrere Monate dauern würde. General Motors kündigte weitere Schritte für kommende Woche an.

Aus Kreisen verlautete, es liefen keine Gespräche mit anderen Interessenten und eine Abwicklung von Saab sei wahrscheinlich. GM-Chef Fritz Henderson erklärte, der Konzern sei "natürlich sehr enttäuscht", und sprach von einem plötzlichen Richtungswechsel bei Koenigsegg. Eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagte, das GM-Direktorium wolle am kommenden Dienstag über die Zukunft von Saab beraten. Das "Wall Street Journal" berichtete allerdings in der Online-Ausgabe unter Berufung auf eine informierte Person, derzeit neige der GM-Verwaltungsrat dazu, die Marke einzustellen.

Die Entscheidung sei schmerzhaft gewesen, sagte Koenigsegg-Chairman Augie Fabela. Die neue Strategie für Saab sei aber durch die Verzögerung des Abschlusses infrage gestellt worden. "Das Unternehmen wurde mit Barmitteln sehr kurz gehalten und irgendwann muss man die Firma zu einem Wachstumsmotor machen." Dies sei nicht mehr rechtzeitig möglich gewesen. Es habe nicht an der Finanzierung gefehlt, es sei nur nicht schnell genug gegangen.

Auch der Vorstoß des chinesischen Autoherstellers BAIC, der Koenigsegg finanziell unter die Arme greifen wollte, konnte die geplante Übernahme nicht retten. BAIC wollte im September Minderheitseigner bei Koenigsegg werden. Die Gesamtkosten der Saab-Übernahme wurden damals auf elf Milliarden Kronen (1,1 Milliarden Euro) beziffert.

In zwanzig Jahren als GM-Tochter nur zweimal profitabel

GM hatte unlängst den Verkauf der deutschen Tochter Opel an den kanadisch-österreichischen Zulieferer Magna überraschend abgesagt. Saab wollte ursprünglich die neue Limousine 9-5 in Rüsselsheim bauen. Mit dem geplanten Verkauf des schwedischen Autobauers sollte die Produktion jedoch nach Trollhättan verlagert werden.

Die Sportwagenschmiede Koenigsegg hatte Mitte Juni mit GM vorläufig die Übernahme des defizitären Oberklasseherstellers Saab vereinbart, doch die Finanzierung blieb fraglich. Koenigsegg setzte auf staatliche Garantien für ein Darlehen der Europäischen Investitionsbank im Volumen von rund 450 Millionen Euro.

An dem Deal hatte es von Anfang an Zweifel gegeben, allein schon wegen der unverhältnismäßigen Größe der Partner. Bislang baut die schwedische Automanufaktur mit 45 Mitarbeitern nur wenige Extremsportwagen im Jahr, die je nach Modell mit über 1000 PS fast 400 Kilometer pro Stunde fahren können und mehr als eine Million Euro kosten. Saab gehört seit zwei Jahrzehnten zu GM, seitdem hat die Traditionsfirma bis auf zwei Jahre immer Verluste nach Detroit abgeliefert.

GM hatte im Zuge der Insolvenz in diesem Jahr die Trennung von großen Konzernteilen eingeleitet. Das Scheitern des Saab-Verkaufs ist dabei bereits der zweite Rückschlag. Während GM von sich aus beschlossen hatte, Opel doch noch zu behalten, war der Verkauf der US-Marke Saturn an eine amerikanische Autohandelskette geplatzt. Die Geländewagenmarke Hummer wurde unterdessen nach einem Verhandlungsmarathon von Chinesen aufgegriffen.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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