Samstag, 7. Dezember 2019

BIP-Enttäuschung US-Wirtschaft wächst langsamer als erhofft

Die amerikanische Wirtschaft ist im dritten Quartal nur um 2,8 Prozent gewachsen. Zunächst hatte die Regierung das Wachstum auf 3,5 Prozent geschätzt. Trotz dieser Enttäuschung ist das offizielle Ende der Rezession erreicht. Doch der schwache Konsum, steigende Importe und der Immobilienmarkt dämpfen die Dynamik.

Washington - Die US-Wirtschaft wächst nach einjähriger Unterbrechung wieder, wenn auch nicht so stark wie zunächst angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im dritten Quartal mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 2,8 Prozent, wie das Handelsministerium am Dienstag mitteilte. In einer ersten Schätzung war noch von einem Wachstum von 3,5 Prozent die Rede.

Jobsucher in New York: Die Wirtschaft wächst wieder, doch die Arbeitslosenquote hat 10 Prozent überschritten
Getty Images
Jobsucher in New York: Die Wirtschaft wächst wieder, doch die Arbeitslosenquote hat 10 Prozent überschritten
Als Dämpfer erwies sich insbesondere ein kräftiger Anstieg der Importe und die Schwäche am Gewerbeimmobilienmarkt. Dennoch war das Wachstum so stark wie seit drei Jahren nicht mehr. Die Einfuhren schnellten im Sommer um mehr als ein Fünftel in die Höhe und stiegen damit deutlich stärker als zunächst angenommen - das alleine drückte die Wirtschaftsleistung um 2,53 Prozentpunkte. Dieser Effekt wurde zum Teil durch höhere Ausfuhren ausgeglichen.

Auch bei Gewerbeimmobilien war der Rückgang stärker als zunächst geschätzt, der Konsum entwickelte sich unerwartet schwächer und auch der Wohnimmobilienmarkt erholte sich weniger stark als angenommen. Dennoch trug der Wohnbau erstmals seit 2005 wieder zum Wachstum bei.

Mit dem Wachstum im Sommer ist wahrscheinlich die schärfste Rezession seit den 1930er Jahren offiziell zu Ende. Noch im zweiten Vierteljahr war die Wirtschaftsleistung um 0,7 Prozent zurückgegangen. Anders als in Deutschland endet eine Rezession in den USA nicht automatisch dann, wenn die Wirtschaftsleistung wieder zulegt - vielmehr definiert ein Ausschuss des Nationalen Wirtschaftsforschungsinstitut NBER nach mehreren Kriterien Anfang und Ende der Rezessionen.

Die USA befinden sich seit Dezember 2007 offiziell in der Rezession. Auch in Deutschland zog die Wirtschaft im Sommer kräftig an, das Plus war mit 0,7 Prozent sogar so groß wie seit Anfang 2008 nicht mehr.

In Europa werden die Wachstumsraten üblicherweise im direkten Quartalsvergleich angegeben, in Nordamerika dagegen auf das Jahr hochgerechnet, vereinfacht gesagt also mit vier multipliziert. Demnach haben sich die deutsche und die US-Wirtschaft im dritten Quartal etwa gleich schnell aus der Krise gearbeitet.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx

© manager magazin 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung