Donnerstag, 5. Dezember 2019

Ruhrkohle Selbstbedienungsladen

Interessenkonflikt nach Revierart: Laut einem Pressebericht haben die Großkunden des Evonik-Vorgängerunternehmens Ruhrkohle über Jahre ihre Position als Aktionäre ausgenutzt. Stahlkonzerne wie ThyssenKrupp und ArcelorMittal oder Versorger wie RWE und Eon genossen demnach Milliardenrabatte. Die Kosten trug der Staat.

Essen - Die Besitzer der deutschen Steinkohlezechen haben laut "Welt am Sonntag" über Jahre hinweg geldwerte Vorteile aus dem subventionierten Bergbau gezogen. Dabei schlossen die Aktionäre der 1968 gegründeten Ruhrkohle AG (RAG, heute aufgeteilt in Evonik und RAG-Stiftung) als Kunden vorteilhafte Verträge mit ihrem eigenen Unternehmen ab, wie das Blatt berichtet.

Bergwerk in Duisburg: Rechtfertigt die Qualität der Kohle hohe Rabatte?
AP
Bergwerk in Duisburg: Rechtfertigt die Qualität der Kohle hohe Rabatte?
So hätten die Stahlunternehmen ThyssenKrupp Börsen-Chart zeigen und ArcelorMittal Börsen-Chart zeigen sowie deren Vorgängerunternehmen jahrelang hohe Rabatte auf Kokslieferungen bekommen. Gleichzeitig erhielten Stromkonzerne wie RWE Börsen-Chart zeigen oder Eon Börsen-Chart zeigen sowie deren Vorgängerfirmen Preisnachlässe auf ihre Kohle- oder Gasbezüge. Die Gesamtsumme der Nachlässe ist nicht bekannt. Nach Recherchen der "Welt am Sonntag" bewegen sich die Rabatte im Milliarden-Euro-Bereich.

Allein zwischen 1998 und 2004 bekamen die Eigentümer und gleichzeitigen Kunden der RAG laut Bericht auf ihre Kohleeinkäufe regelmäßig Ermäßigungen zwischen 10 und 20 Prozent auf den Drittlandskohlepreis. In der Summe machte das rund 1,5 Milliarden Euro aus. Die Verluste der Bergwerksholding RAG trug der Staat. Nach Schätzungen des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) flossen so über 140 Milliarden Euro.

Angeblich wurden die Rabatte demnach mit minderwertiger Kohle gerechtfertigt oder die Konzerne setzen auf Preisnachlässe, die durch monopolartige Strukturen bedingt seien. Der Bundesrechnungshof kritisierte seit mindestens 2005 das Subventionswesen als undurchsichtig und verschwenderisch. Die Subventionen wurden über Jahre allein auf Basis von Angaben der RAG beziehungsweise deren Eigentümerkunden ermittelt.

1968 hatten sich Staat und Großunternehmen auf die Gründung der Ruhrkohle AG als "Einheitsgesellschaft für den Bergbau" geeinigt, um die kriselnde Steinkohle-Förderung neu zu organisieren.

Am 1. Januar 2008 hatte die neue "schwarze" RAG (frühere Ruhrkohle AG) mit dem Kerngeschäft Steinkohle-Förderung ihre Arbeit aufgenommen. Zuvor hatte es einen RAG-Konzern mit einem "weißen" Geschäftsbereich mit den Sparten Energie, Chemie und Immobilien sowie einem "schwarzen" Bereich für die Steinkohle gegeben. Der "weiße" Bereich wird seit September 2007 von der Evonik Industries AG in Essen vertreten.

manager-magazin.de mit Material von ddp

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