HSH Nordbank Freshfields kritisiert Nonnenmacher

Die Kanzlei Freshfields hat ihre Untersuchung zu Managementfehlern der HSH Nordbank abgeschlossen. Laut einem Medienbericht wirft der streng vertrauliche Report auch Bankchef Dirk Jens Nonnenmacher Versäumnisse vor. Die Verantwortung für die Milliardenverluste sollen jedoch andere tragen.

Hamburg - Laut einem am Samstag veröffentlichten Vorabbericht des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL kritisiert die vom Aufsichtsrat der Bank in Auftrag gegebene Untersuchung vor allem Nonnenmachers Unterschrift unter das umstrittene Geschäft mit der Finanzgesellschaft Omega 55, das der HSH inzwischen einen Buchverlust von 334 Millionen Euro beschert hat. Es sei nicht zu verkennen, "dass die Basis des Vertrauens in die Pflichtgemäßheit der Entscheidung wenig stabil war und eine intensivere Befassung mit Omega 55 wünschenswert gewesen wäre", schreiben die Juristen demnach über Nonnenmacher.

Die HSH Nordbank war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Aus Nonnenmachers Umfeld hieß es aber, der Bericht gebe das Gutachten verkürzt wieder. Vielmehr entlaste Freshfields den Bankchef. Auch nach Darstellung des SPIEGEL kommen die Gutachter trotz aller Kritik zu dem Schluss, dass die Ableitung eines Pflichtverstoßes von Nonnenmacher "unangemessen" sei.

Mitte des Monats hatte die HSH Nordbank die Vorstände Jochen Friedrich und Peter Rieck entlassen und dies mit von Freshfields aufgezeigten Pflichtverletzungen begründet. Auch die ehemaligen Vorstandsmitglieder Hartmut Strauß und Eckehard Dettinger-Klemm seien belastet worden, über Nonnenmachers Rolle fiel in der Mitteilung kein Wort.

Die vom SPIEGEL zitierten Vorwürfe gegen ihn gehen jedoch noch weiter. Auch bei einem zweiten Verlustgeschäft mit dem Namen Omega 52, das die Bank inzwischen 160 Millionen Euro gekostet hat, verhielt sich Nonnenmacher offenbar fragwürdig. Der inzwischen entlassene Kapitalmarktvorstand Jochen Friedrich hatte am 18. Juli 2008 das Geschäft laut Freshfields-Bericht "pflichtwidrig" verlängert. Doch unmittelbar nach seiner Genehmigung hatte Friedrich in einer Aktennotiz den damaligen Vorstandschef Hans Berger und Nonnenmacher gebeten, das Omega-52-Geschäft "abzuzeichnen". Beide kamen Friedrichs Wunsch nach.

"Keiner der Vorstände konnte uns bestätigen, dass eine derartige Form der schriftlichen Mitteilung üblich war", heißt es im Untersuchungsbericht, "daher lag ein ungewöhnlicher Vorgang vor, der geeignet war, die beiden Vorstände zu erhöhter Wachsamkeit anzuhalten."

Eine interne E-Mail, die dem SPIEGEL vorliegt, lege zudem den Verdacht nahe, dass der heutige HSH-Chef noch viel tiefer in die Omega-Affäre verstrickt ist als bislang bekannt, schreibt das Magazin. Darin forderte Nonnenmacher im November 2008 mehrere Manager der Bank im Zusammenhang mit einem Restrukturierungsvorschlag für Omega auf, "den E-Mail-Verkehr hier deutlich zu reduzieren".

Andere E-Mails belasten den neuen Vorstand Martin van Gemmeren, der erst vor vier Wochen ins Amt berufen wurde. Demnach trug er als Leiter der Abteilung "Group Risk Management" seit Oktober 2007 die Verantwortung für das untaugliche Risikomesssystem der Bank, das im Handel mit Kreditpapieren zu den Milliardenverlusten der Bank erheblich beitrug. So klagte der Risikomanager des New Yorker Büros in einer E-Mail vom 25. März 2008: "Es geht nicht darum dem Group Risk Management Ärger zu machen, aber meine Analyse zeigt echte Fehler in den Zahlen."

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