GM Opel-Chef kündigt harte Sanierung an

General Motors muss nach eigener Einschätzung die Opel-Produktion in Europa um 20 bis 25 Prozent zurückfahren. "Wir können nicht länger zögern, wir müssen bei der Restrukturierung vorankommen", sagte Opel-Europa-Chef Nick Reilly. Der Opel-Betriebsrat fürchtet, dass Tausende von Stellen in Deutschland gestrichen werden.

London - Die Produktionskürzungen sehe der 3,3 Milliarden Euro schwere Restrukturierungsplan vor, sagte der neue Opel-Europa-Chef Nick Reilly am Dienstag in London. Er hoffe, dass die letzten Details der Sanierung in den kommenden drei Wochen geklärt würden. "Wir können nicht länger zögern, wir müssen bei der Restrukturierung vorankommen", sagte Reilly.

GM habe einen vorläufigen Plan, der weniger gewagt sei als der des kanadischen Autozulieferers Magna , sagte Reilly weiter. Zu Einzelheiten wollte sich der Manager aber nach wie vor nicht äußern. Reilly betonte, das Unternehmen sei darauf vorbereitet, eigene Mittel für den Umbau aufzuwenden. GM hoffe aber weiterhin auf Staatshilfen von europäischen Regierungen, fügte er hinzu. In Deutschland ist GM auf Bundesebene bislang mit seinem Werben um Staatshilfen abgeblitzt.

GM will in ganz Europa rund 10.000 der 50.000 Stellen streichen. Der Opel-Betriebsrat fürchtet, dass der Großteil davon in Deutschland wegfallen dürfte. Zu Einzelheiten der Job-Streichungen äußerte sich Reilly nicht.

Die Beschäftigten der britischen Opel-Schwester Vauxhall können trotzdem aufatmen. Die beiden Standorte in Luton und Ellesmere Port mit rund 5000 Mitarbeitern hätten eine "gute Zukunft", sagte Reilly. Für frühere Pläne Anfang des Jahres, 800 Stellen zu kürzen, gebe es Spielraum. Wirtschaftsminister Peter Mandelson habe Unterstützung im Rahmen der EU-Richtlinien signalisiert. "Wir müssen ein Paket schnüren und ich hoffe, dass jede einzelne Regierung vorbereitet ist, ihren Beitrag genauso wie General Motors zu leisten", so Reilly weiter.

Mit einem Opel-Gipfel will die EU-Kommission unterdessen einen Subventionswettlauf um den Autobauer verhindern. EU-Wirtschaftsminister und Vertreter des Mutterkonzerns General Motors (GM) sollen am Montag in Brüssel mit EU-Industriekommissar Günter Verheugen zusammenkommen, wie dieser der "Rheinischen Post" laut Vorabmeldung vom Dienstag sagte. Ziel des außerordentlichen Treffens sei es, mögliche Staatshilfen für Opel zentral zu koordinieren. "Was wir brauchen ist eine auf rein wirtschaftlichen Kriterien fußende europäische Lösung", sagte Verheugen.

Eventuelle Staatshilfen werde die Kommission sorgfältig prüfen, da jede Beihilfe ein Eingriff in den Wettbewerb sei, betonte er. Finanzhilfen aus dem "Deutschlandfonds" wären möglich, "sofern dessen strikte Bedingungen eingehalten werden", sagte der deutsche EU-Kommissar. An dem Gipfel werde auch Reilly teilnehmen, sagte ein Firmensprecher.

Druckmittel Stellenabbau

Bis Ende des Jahres will der Autobauer an Details seines Konzepts feilen und Gespräche mit europäischen Regierungen aufnehmen. Ausschlaggebend für die Bereitschaft einzelner Staaten zu Staatshilfen dürfte die Verteilung des geplanten Stellenabbaus in Europa sein.

Gefährdet gilt insbesondere das Astra-Werk in Antwerpen, über dessen Zukunft GM innerhalb der kommenden zwei Wochen entscheiden will. Neben dem belgischen Werk gelten auch die deutschen Standorte in Eisenach und Bochum als gefährdet. Für sie prüft GM derzeit jedoch Alternativen zu einer Schließung.

Reilly bereitete die Arbeitnehmer bereits auf tiefgreifende Einschnitte vor. "Wir sind offen für verschiedene Alternativen, aber am Ende des Tages werden wir irgendwo in Europa harte Entscheidungen treffen müssen", sagte er.

In Deutschland ist GM auf Bundesebene bislang mit seinem Werben um Staatshilfen abgeblitzt. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) erhielt nun Rückendeckung von regierungsexternen Beratern. Der 35-köpfige wissenschaftliche Beirat des Ministeriums sei einhellig gegen Subventionen für Opel, sagte der stellvertretender Vorsitzende Friedrich Breyer. "Im Beirat herrscht die ganz eindeutige Meinung, dass der Staat nicht in den Strukturwandel eingreifen und insbesondere nicht einzelne Unternehmen mit viel Geld stützen darf."

Die flämische Regierung ist hingegen bereit, GM im Gegenzug für einen Fortbestand des Werks in Antwerpen finanziell zu unterstützen. Der flämische Premier Kris Peeters hatte Kreditbürgschaften über 300 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Zudem könnte die Regierung für weitere 200 Millionen Euro den Standort kaufen und dann an GM zurückvermieten. In Antwerpen arbeiten etwa 2000 Opelaner.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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