Montag, 6. April 2020

Robert Shiller "Der Finanzsektor schrumpft von selbst"

Während Aufseher weltweit über die Zerschlagung von Banken reden, mahnt ein großer Kritiker der Finanzbranche zur Mäßigung. Robert Shiller will die Spekulation nicht beschneiden, sondern in den Dienst der Gesellschaft stellen. Im Interview mit manager-magazin.de fordert der US-Ökonom vor allem von seiner eigenen Zunft Reformen.

mm.de: Professor Shiller, die Yale-Universität leidet darunter, dass das von Ihrem Kollegen David Swensen verwaltete Stiftungsvermögen stark schrumpft. Dabei genoss Swensen bisher einen Ruf als Investmentgenie. Stimmt die Theorie effizienter Märkte also doch, dass selbst ein Genie den Markt nicht schlagen kann?

Robert J. Shiller ist Professor für Ökonomie an der Yale-Universität in New Haven, US-Staat Connecticut. Er erforscht vor allem das menschliche Verhalten an den Finanzmärkten, die Forschungsrichtung nennt sich Behavioral Finance. Shiller warnte frühzeitig vor den Spekulationsblasen der Jahrtausendwende und der aktuell geplatzten. Bekannt ist er neben seinen Werken auch für den Case-Shiller-Index, die wichtigste Datenbasis zur Preisentwicklung am US-Häusermarkt. Shiller sprach mit manager-magazin.de in der American Academy Berlin.
Shiller: Ich denke nicht, dass das irgendetwas beweist. David Swensen hat über gut 15 Jahre Jahresrenditen von durchschnittlich 16 Prozent eingefahren. Ein Minusjahr von rund 25 Prozent ändert nichts an seinem bemerkenswerten Erfolg - es sei denn, es ginge so weiter. Die Idee der Markteffizienztheorie, dass niemand besser abschneiden kann als mit einer zufälligen Auswahl von Aktien, halte ich für falsch. Wer sorgfältig und intelligent anlegt, kann überdurchschnittliche Renditen einfahren, und Swensen ist ein Beispiel dafür. Die Krise zeigt aber, dass an den Finanzmärkten irrationale Blasen entstehen und platzen, was gegen die Theorie effizienter Märkte spricht.

mm.de: Wissen Sie, wie Vertreter dieser Theorie wie Eugene Fama die Krise verarbeiten?

Shiller: Eugene Fama war tatsächlich der Erfinder des Begriffs effizienter Kapitalmärkte. Andererseits arbeitet er seit Jahren für die Anlagefirma Dimensional Fund Advisors, die ihren Kunden verspricht, etwas Intelligenteres zu tun als der Durchschnitt der Marktteilnehmer. Es scheint also, dass selbst er der von Leuten wie mir vertretenen Verhaltensökonomik etwas abgewinnen kann. Fama sagte mir sogar, dass er mit dafür gesorgt habe, viele wichtige Artikel zu Behavioural Finance in akademische Zeitschriften aufzunehmen. Er ist vielleicht nicht begeistert von der Idee, dass Massenpsychologie die Märkte genauso bewegt wie Vernunft, aber er ist aufgeschlossen.

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