Klimawandel Ökonomen warnen vor Scheitern der Klimakonferenz

Enorme volkswirtschaftliche Schäden und Folgen wie die Wirtschaftskrise: Ökonomen raten den Regierungschefs weltweit, auf der Kopenhagener Klimakonferenz mutige Beschlüsse zu fassen. Die langfristigen wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels seien ähnlich einschneidend, wie der aktuelle Kampf gegen die Finanzkrise.

Hamburg - Deutsche Wirtschaftsexperten warnen eindringlich vor den Folgen eines Scheiterns des Weltklimagipfels in Kopenhagen. "Der Klimawandel kann global enorme volkswirtschaftliche Schäden verursachen und somit ähnlich hohe negativen Folgewirkungen verursachen wie die Weltwirtschaftskrise", sagte die Energieexpertin im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, am Dienstag dem "Handelsblatt Online". Der Klimagipfel in Kopenhagen sei daher "das wichtigste Treffen für den Klimaschutz aller Zeiten". Denn die Nationen müssten jetzt die Krise nutzen und gezielt die Klima- und Energiekrise vermeiden.

Ähnlich äußerte sich der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn. Auf längere Sicht könne der Klimawandel deutlich dramatischere Auswirkungen haben als die gegenwärtige Wirtschafts- und Finanzkrise. "Schon heute sind die Ausgaben für Versicherungen gegen Klimaschäden verschiedenster Art deutlich gestiegen, und sie werden weiter zunehmen", sagte Horn. Im Unterschied zur Finanzkrise werde dies aber wohl "ein längerfristiger Prozess" sein.

Der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater, warnte davor, die Themen Klimaschutz und Finanzmarktkrise zu vermengen. "Handlungsrezepte aus dem einen Feld für das andere abzuleiten ist schwierig, ein Vergleich von Schadensbilanzen wohl nicht besonders sinnvoll", sagte Kater. Jede dieser Herausforderungen verlange eigene Strategien zu ihrer Bewältigung. "Dabei dürfen aber bei aller Dringlichkeit von Maßnahmen gegen die Verwerfungen im Finanzsystem die langfristigen Aufgaben beim Klimaschutz nicht in den Hintergrund gedrängt werden", gab der Ökonom zu bedenken.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hat die Staatengemeinschaft aufgefordert, Klimaschutz-Verpflichtungen nicht zu umgehen. Mit Blick auf ein mögliches Abkommen bei der Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember sagte Röttgen der "Saarbrücker Zeitung" (Dienstag): "Das Abkommen darf in seiner rechtlichen Architektur keine Schlupflöcher bieten."

Die Vereinbarungen von Kopenhagen müssten alle Länder umfassen, also auch die USA und China, forderte Röttgen. Der Minister zeigte sich überzeugt, dass die Klimakonferenz einen Weg zur Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad beschließen werde. "Damit meine ich eine klar benannte CO2-Reduzierung für die Industrieländer bis 2020 um 25 bis 40 Prozent und bis 2050 um 80 bis 95 Prozent, die rechtliche Überprüfbarkeit der eingegangenen Verpflichtungen und die finanzielle Unterstützung der Entwicklungsländer", so Röttgen.

Ansonsten seien die Überlebenschancen Hunderter Millionen Menschen bedroht. "Es gibt auch keine Insel, auf die sich der bislang reiche Teil dieser Welt vor diesen Folgen flüchten könnte. Das sollten wir nicht vergessen", betonte der Minister.

USA und China wollen die Welt hinter sich sammeln

Die Vereinigten Staaten und China streben nach den Worten von US-Präsident Barack Obama auf dem Klimagipfel in Kopenhagen eine umfassende Einigung an, hinter der sich die Welt sammeln könnte.

Obama sagte am Dienstag nach Gesprächen mit dem chinesischen Präsidenten Hu Jintao in Peking, es solle ein Abkommen erzielt werden, das einen unmittelbaren Effekt haben und nicht nur eine politische Absichtserklärung werde.

Als die beiden weltgrößten Energieverbraucher müssten die USA und China eine Schlüsselrolle in den Verhandlungen übernehmen. Mit dieser Meinung steht er in seinem eigenen Land allerdings ziemlich allein.

Die Demokraten im US-Senat erwarten erst Anfang 2010 ein neues Gesetz zum Kampf gegen den Klimawandel. Der Vorsitzende des Ausschusses für Auswärtige Beziehungen John Kerry sagte am Montag, zuvor werde sich der Kongress mit den Reformen des Gesundheitswesens und der Finanzbranche beschäftigen. Kerry sprach nach Beratungen mit dem Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, sowie anderen hochrangigen Mitgliedern der Kammer.

Damit schwinden die Chancen auf eine umfassende Vereinbarung bei dem Kopenhagener Klimagipfel im Dezember weiter. Dort soll eine Nachfolgevereinbarung für das Ende 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll gefunden werden.

manager-magazin.de mit Material von ap und ddp

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