Opel-Mutter GM überrascht mit geringerem Verlust

Der Opel-Mutterkonzern General Motors sieht nach seinem Neustart wieder Licht am Ende des Tunnels. Der größte US-Autobauer verringerte nach seinem Insolvenzverfahren die Milliardenverluste und startet viel schneller als erwartet den Schuldenabbau. Für die Opel-Sanierung will GM-Chef Fritz Henderson weiterhin Staatshilfen haben.

Detroit - General Motors (GM) schrieb im dritten Quartal zwar noch immer ein Minus von 1,2 Milliarden Dollar (802 Millionen Euro). Der Verlust war aber kleiner als von vielen Experten geschätzt. Ein Jahr zuvor sei das Minus mehr als doppelt so hoch gewesen.

Der Umsatz lag im dritten Quartal bei 28 Milliarden Dollar. Das waren fünf Milliarden Dollar mehr als im zweiten Quartal. Die ersten Zahlen nach dem im Juli beendeten Insolvenzverfahren sind nur schwer mit früheren Ergebnissen vergleichbar und basieren nicht komplett auf gängigen Bilanzregeln. Der von GM genannte "betriebswirtschaftliche" Verlust könnte zudem noch bestimmte Sondereffekte ausklammern.

"Wir haben noch viel mehr Arbeit vor uns", räumte GM-Chef Fritz Henderson am Montag am Konzernsitz in Detroit (Michigan) ein. "Aber die Ergebnisse beweisen das solide Fundament, das wir für den neuen GM-Konzern legen." Hendersons Stuhl wackelt laut Experten wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Verwaltungsrat.

Noch zum Jahresende will GM eine erste Rate von 1,2 Milliarden Dollar Schulden an die USA und Kanada zurückzahlen und die Hilfen dann jeweils quartalsweise abstottern. Eigentlich hatte GM bis 2015 Zeit. Allerdings nutzt GM andere Darlehen zum Abbau dieser Schulden.

GM wiederholte die Ankündigung, den Opel-Überbrückungskredit von Bund und Ländern bis Ende November zurückzuzahlen. Offen sind noch rund 400 Millionen von 900 Millionen Euro. Für die Sanierung will Henderson aber neues Geld. GM sei zwar grundsätzlich in der Lage, das Europa-Geschäft allein zu finanzieren. "Wir würden aber bevorzugen, um Unterstützung für das Europa-Geschäft zu bitten", sagte Henderson.

50 Milliarden Dollar Staatshilfe gegen den Untergang

Seit Anfang 2005 hatte GM konzernweit Verluste von mindestens rund 90 Milliarden Dollar angehäuft. Der Konzern war mit Staatshilfen von mehr als 50 Milliarden Dollar vor dem Untergang gerettet worden.

Allerdings werden davon nur 6,7 Milliarden Dollar als direkter Kredit geführt. Für den Großteil der Hilfen bekam die US-Regierung den Mehrheitsanteil von 60 Prozent an GM. Sie will die Beteiligung schrittweise nach einem erneuten Börsengang abstoßen. Es war zuletzt unklar, ob GM bereits 2010 an den Aktienmarkt zurückkehren kann.

Das Geschäft außerhalb Nordamerikas schrieb im dritten Quartal vor Zinslasten, Steuern und Sonderfaktoren schwarze Zahlen - auf dem Heimatmarkt war GM erneut rot. Anders als früher weist der Konzern sein Europageschäft nicht mehr gesondert aus.

Dem Autobauer gelang es, im operativen Geschäft seine Kassen wieder um mehr als drei Milliarden Dollar aufzufüllen. Allerdings befürchtet GM, im vierten Quartal erneut Bargeld zu "verbrennen". Zuletzt hatte GM 42,6 Milliarden Dollar in der Kasse.

Der globale Marktanteil des einst weltgrößten Autobauers stieg seit Jahresmitte leicht auf 11,9 Prozent. Dazu habe unter anderem der Astra von Opel beigetragen. Die GM-Tochter Opel hat in Deutschland neben Standorten in Bochum, Eisenach und Rüsselsheim auch ein Werk in Kaiserslautern. Weltweit setzte GM im dritten Quartal 1,97 Millionen Autos ab nach mehr als 2,11 ein Jahr zuvor. Opel und die britische Schwester Vauxhall verkauften 306.000 Wagen - das waren rund 10 Prozent weniger.

Für seine Sanierung baute GM weltweit bereits Zehntausende Jobs ab. Zum 30. September beschäftigte der Konzern noch 209.000 Mitarbeiter im Vergleich zu 243.000 zum Jahresende 2008.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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