Industrie Mehr Aufträge, weniger Jobs

Trotz steigender Orders hält der Stellenabbau in der deutschen Industrie an. Ende September zählte das verarbeitende Gewerbe gut fünf Millionen Beschäftigte - 233.000 weniger als ein Jahr zuvor. Das ist das größte Minus seit Januar 1995. Und der prozentuale Rückgang fiel mit 4,4 Prozent genauso stark aus wie im August.

Wiesbaden - Das verarbeitende Gewerbe leidet weiter unter den Folgen der Wirtschaftskrise. Wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte, sank die Zahl der Beschäftigten in den Betrieben der Branche mit mindestens 50 Mitarbeitern Ende September auf rund fünf Millionen. Das waren 4,4 Prozent weniger als vor einem Jahr. Trotz anziehender Bestellungen entlassen Deutschlands Industrieunternehmen damit derzeit monatlich so viele Menschen, wie seit 1995 nicht mehr.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet vorerst keine Trendwende in dieser Branche. "Das Tempo der wirtschaftlichen Erholung reicht nicht aus, um die Beschäftigung stabil zu halten", sagte DIW-Konjunkturchef Christian Dreger. Die exportabhängige Industrie hatte um den Jahreswechsel wegen der weltweiten Rezession die heftigsten Auftragseinbrüche der Nachkriegszeit erlitten. Seit März zieht die Nachfrage von Monat zu Monat zwar wieder an.

Nach Meinung der Commerzbank  werden bis Jahreswechsel aber erst rund ein Viertel der zuvor erlittenen Produktionseinbrüche aufgeholt sein. Der starke Einsatz der Kurzarbeit verhinderte bislang, dass noch mehr Stellen in der Industrie gestrichen wurden. "Aber die Unternehmen können nicht endlos auf Kurzarbeit setzen", sagte DIW-Experte Dreger. "Es muss deshalb befürchtet werden, dass auch hoch qualifizierte Beschäftigte ihren Job verlieren werden."

Über alle Branchen gesehen hat sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt zuletzt allerdings stabilisiert. Zwar werden weiter mit mehr Arbeitslosen in 2010 gerechnet. Und die Bundesagentur für Arbeit rechnet mit Milliardendefizit in den kommenden zwei Jahren. Doch die Bundesbürger scheinen von einer noch weit schlimmeren Jobkatastrophe verschont zu bleiben, wie sie noch zu Jahresbeginn befürchtet worden ist. Experten rechnen nun mehr mit 3,8 Millionen bis 4,0 Millionen Arbeitslosen im Jahresschnitt 2010. Zuletzt suchten rund 3,3 Millionen Frauen und Männer in der Bundesrepublik einen Arbeitsplatz.

Viel problematischer allerdings scheint die Lage der hiesigen Industrie zu sein. Nach Schätzungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages gibt es im verarbeitenden Gewerbe derzeit etwa eine Million Kurzarbeiter. Überdurchschnittlich viele Jobs fielen im Maschinenbau (-4,5 Prozent), in der Autoindustrie (-4,8), bei den Herstellern von Gummi- und Kunststoffwaren (-5,4) sowie bei den Metallerzeugern (-6,5) weg. Lediglich die Hersteller von Nahrungs- und Futtermitteln stockten ihre Belegschaft um 1,5 Prozent auf.

Die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden nahm um 8,9 Prozent auf 642 Millionen ab, obwohl der September diesmal einen Arbeitstag mehr zählte. "Dies dürfte insbesondere auf die starke Nutzung von Kurzarbeit zurückzuführen sein", hieß es. Die Bruttolöhne und -gehälter schrumpften um 5,4 Prozent auf 16,3 Milliarden Euro.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa-afx und reuters

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