RWE-Chef Großmann Testosteron im Tank

VW-Aufseher, RWE-Chef und Autonarr Jürgen Großmann hat Interesse am Karmann-Museum angemeldet. Favorit für den Kauf der Karmann-Reste ist aber nach wie vor Volkswagen.

Hamburg - Die Tücken des Objekts sind ihm bestens vertraut. Jürgen Großmann (57), im Hauptberuf RWE-Chef, nebenbei Besitzer der Stahlgruppe Georgsmarienhütte, hat ein Faible für Automobile. Und zwar für solche, für die das Motto gilt: Je oller, je doller.

Einmal im Jahr organisiert er eine Privat-Rallye, die über mehrere hundert Kilometer zum Stammsitz der Georgsmarienhütte in Osnabrück führt. Nur betagte Gefährte sind startberechtigt, Großmann selbst hat etliche in der Garage stehen. Das Ereignis ist ihm wichtig, dafür lässt er schon mal offizielle Termine sausen. Auch auf den Namen der Oldtimer-Odyssee hat er offenkundig einige Geistesenergie verwendet: "Classic Cars & Cuisine Culinaire 2009" hieß die diesjährige Ausfahrt, die in Essen gestartet wurde. Classe!

Nun scheint er sein Hobby um ein paar Wertschöpfungsglieder verlängern zu wollen. Großmann, berichten Vertraute, sei interessiert, Teile des Museums des insolventen Autozulieferers Karmann zu erstehen. Der Sammler hätte sich am liebsten einige der schönsten Exponate herausgepickt. So in etwa habe er es auch schon dem Karmann-Management frohen Mutes und guter Dinge zugerufen.

Und am 11. November, auf der Aufsichtsratssitzung des VW-Konzerns, der als Käufer für die Karmann-Gruppe nach wie vor der Favorit ist, habe Großmann die Altauto-Kollektion mit Lob überhäuft wie sonst nur ein hochkaloriges Menü in seinem Sterne-Restaurant "La Vie". Den Wert der Sammlung um den legendären Karmann Ghia hat der beliebte und beleibte Autonarr mal eben über den dicken Daumen auf rasante 30 Millionen Euro taxiert. Im Übrigen, fügte er hinzu, habe er Interesse.

30 Millionen, das ist auch für einen wie Großmann mächtig viel Bimbes. Aber einzelne Stücke aus dem Karmann-Sortiment wären für den gut betuchten Stahleigner locker zu finanzieren. Ein solcher Deal hätte Charme gleich aus doppeltem Grund: Großmann könnte seine PS-Passion um eine attraktive Facette erweitern. Eine höchst ehrenwerte regionalpolitische Komponente besäße das Geschäft ebenfalls: Karmann residiert in Osnabrück, nicht weit von Großmanns Stahlkonglomerat (vulgo: Nachbarschaftshilfe).

Dass Großmann nun bereits Retter-T-Shirts (in XXL) drucken lassen wollte, mit der Opel entlehnten Aufschrift: "Wir-sind-Karmann", ja das ist nur ein Gerücht. Zudem hat die Sache einen Haken. Auch Volkswagen  will das Museum, und zwar in toto. Am Freitag wird der Volkswagen-Aufsichtsrat erneut über das Thema diskutieren. Die Wolfsburger haben schließlich auch einen Fan von Boliden jedweder Alters- und PS-Klasse in ihren Reihen: Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch (72). Ein Bietergefecht zwischen Großmann und dem österreichischen Machtmenschen verspräche zwar viel Amüsement. Aus Großmanns Sicht aber böte ein Wettstreit ausgerechnet gegen Piëch wenig Aussicht auf Erfolg.