Entscheidung rückt näher Welche Optionen GM und Opel haben

Am Dienstag berät der Verwaltungsrat von General Motors erneut über das Schicksal von Opel. Vieles spricht dafür, dass das Gremium seine Empfehlung zum Verkauf an Magna bestätigt. Doch sicher ist das keineswegs - denn die Bedenken der EU sind für GM eine Steilvorlage. Ein Überblick über die wichtigsten Optionen.

Hamburg - Im Prinzip hat General Motors drei Optionen: GM kann Opel verkaufen, Opel behalten oder Opel insolvent gehen lassen. Offiziell bleibt GM bei seiner Linie vom September und hält am Verkauf an das Konsortium aus Magna und der russischen Sberbank fest. Doch die Spekulationen, dass der widererstarkte GM-Konzern seine deutsche Tochter lieber behalten will, halten sich hartnäckig - teilweise werden sie aus GM-Kreisen genährt.

Könnte GM Opel aus eigener Kraft sanieren?

Das dürfte schwierig werden. General Motors  müsste sich Kredite besorgen und Milliarden in den angeschlagenen Autobauer stecken. Massenentlassungen wären wahrscheinlich die Folge.

Einige Wirtschaftspolitiker erwarten, dass GM sich gegen den Verkauf entscheidet und Deutschland vor die Alternative stellt: Hilfe oder Insolvenz.

Dann müsste Berlin entscheiden. Bund und Länder haben sich aber bereits zu sehr engagiert, um sich dann einfach zurückziehen zu können.

Was hatte der GM-Verwaltungsrat im September entschieden?

Das Gremium hatte am 10. September empfohlen, 55 Prozent der Opel- Anteile an Magna/Sberbank abzugeben. Demnach will GM 35 Prozent an der neuen Gesellschaft "New Opel" behalten, die übrigen zehn Prozent soll die Belegschaft übernehmen. Allerdings steht die Unterschrift unter einen rechtsverbindlichen Kaufvertrag noch aus.

Warum zögert der US-Autobauer noch mit der Unterschrift?

Es gab immer schon zwei Lager im GM-Verwaltungsrat: Eines für den Verkauf und eines dagegen. Ein Teil der Manager will Opel behalten, weil der Autobauer einen Zugang zum europäischen Markt bietet und sparsame Antriebe entwickelt, die für die Zukunft entscheidend sind. Der US-Konzern nutzt nun die Bedenken der EU-Kommission als Steilvorlage, um den Verkauf noch einmal zu überdenken.

Welche Bedenken hat GM und wer könnte GM verklagen?

Welche Bedenken hat GM?

GM verweist offiziell auf drohende Schadenersatzforderungen, wenn man die von der EU geforderte Erklärung abgebe, dass die Entscheidung zugunsten Magna ohne politischen Druck gefallen sei. Die Manager sagen hinter vorgehaltener Hand: Wir hatten nie eine andere Wahl. Bund und Länder hatten ihre staatlichen Hilfen früh an einen Zuschlag für Magna geknüpft.

Wer könnte GM verklagen ?

Im Bieterverfahren um Opel hatten auch der italienische Autobauer Fiat und der belgische Finanzinvestor RHJI ein Angebot abgegeben. Beide waren schließlich aus dem Rennen. Denkbar wären Klagen der beiden Unternehmen, aber auch von Aktionären. Experten halten einen Rechtsstreit aber für unwahrscheinlich und glauben, GM spiele mit diesem Argument nur auf Zeit.

Was prüft die EU-Kommission, und wie lange reicht das Geld?

Was prüft die EU-Kommission?

Die Brüsseler Wettbewerbshüter prüfen, ob die staatlichen Hilfen von insgesamt 4,5 Milliarden Euro den EU-Regeln entsprechen und den Wettbewerb nicht verzerren. Dabei geht es auch darum, ob der Verkauf zu einer unzulässigen Konzentration der Marktanteile auf dem Automarkt führt. Ein Ergebnis soll bis 27. November vorliegen. Beobachter erwarten, dass Brüssel trotz aller Bedenken dem Deal letztlich zustimmen wird.

Was können die Arbeitnehmer tun?

Nicht sehr viel. Sie können streiken. Das hat der Bochumer Betriebsrat bereits für den Fall angekündigt, dass Opel bei GM bleibt. Dann wird das Aus für das Bochumer Werk befürchtet. Zudem wollen die Opel-Mitarbeiter den angekündigten Lohnverzicht von 265 Millionen Euro rückgängig machen, wenn Opel bei GM bleibt.

Wie lange reicht das Geld noch bei Opel?

Die staatliche Überbrückungshilfe von 1,5 Milliarden Euro reicht noch bis 2010 - auch dank der Abwrackprämie, von der Opel profitiert hat. Der Kredit ist allerdings bis Ende November befristet.

Hat GM bis dahin keine Lösung für Opel gefunden, könnte die Bundesregierung die ausgezahlten Tranchen zurückfordern, eine Insolvenz von Opel wäre denkbar. Das würde die Bundesregierung zwar kaum riskieren, aber sie kann den Termin als Druckmittel gegen GM einsetzen.

manager-magazin.de mit Material von dpa