Bahngewerkschaften Transnet und GDBA fusionieren

Die Gewerkschaften Transnet und GDBA wollen den Bahnunternehmen künftig gemeinsam Paroli bieten. Jetzt haben sie ihre Fusion besiegelt. Die Organisationen wollen den Zusammenschluss auch als Zeichen gegen die Zunahme von Berufsgewerkschaften wie Cockpit für Piloten oder Marburger Bund für Ärzte verstanden wissen.

Frankfurt am Main - Die beiden Bahngewerkschaften Transnet und GDBA wollen zu einer neuen Verkehrsgewerkschaft verschmelzen. Das haben die Spitzen beider Organisationen am Freitag in Frankfurt mitgeteilt. Die neue Verkehrsgewerkschaft hätte rund 260.000 Mitglieder und soll unter dem Dach des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) arbeiten. Der neue Name steht noch nicht fest.

Die Verschmelzung ist das größte Zusammengehen von Gewerkschaften in Deutschland seit der Gründung der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi 2001 aus fünf Gewerkschaften. Unabhängig davon gibt es bei der Bahn noch die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) mit rund 34.000 Mitgliedern, die sich an dem Zusammenschluss nicht beteiligen will. Allerdings sind Transnet und GDBA zuversichtlich, dass sich die GDL irgendwann der neuen Gewerkschaft anschließend werde.

Das bisherige Nebeneinander von Transnet und GDBA habe keinen Sinn mehr gemacht, sagte Transnet-Chef Alexander Kirchner. Bereits seit Jahren hatten die beiden Gewerkschaften in einer Tarifgemeinschaft kooperiert. "Grabenkriege und sinnlose Konkurrenz senken den Organisationsgrad", sagte Kirchner. Der Zusammenschluss beider Organisationen stelle ein Novum in Deutschland dar, betonte Kirchner. Erstmals würde sich eine DGB-Gewerkschaft mit einer Beamtengewerkschaft zusammenschließen.

Transnet und GDBA erteilten auch Spartengewerkschaften wie bei den Lokführern eine klare Absage. "Die Starken müssen sich auch für die Schwachen einsetzen", sagte Kirchner. Aus Sicht der Mitarbeiter sei das Spartenmodell nicht erfolgreich, sagte GDBA-Chef Klaus-Dieter Hommel.

Bei der Deutschen Bahn hatte die kampfstarke GDL zuletzt eigenständige Tarifverträge durchgesetzt. Auch in anderen Bereichen haben sich in den vergangenen Jahren zunehmend Spartengewerkschaften etabliert, die jeweils nur eine Berufsgruppe vertreten. Als Beispiele gelten die Vereinigung Cockpit für die Piloten oder der Marburger Bund für Ärzte.

Transnet und GDBA wollen die neu zu gründende Gewerkschaft als eine breite Verkehrsgewerkschaft etablieren. Allerdings sollen keine anderen im Verkehrsbereich aktiven Gewerkschaften wie Verdi angegriffen werden. Stattdessen wolle man neue Mitglieder etwa im Straßengüterverkehr werben. "Wir wollen die weißen Flecken organisieren", sagte Hommel. Den Gewerkschaften zufolge gibt es in Deutschland rund 1,6 Millionen Beschäftigte im Verkehrssektor, von denen etwa 20 Prozent gewerkschaftlich organisiert sind.

Bei der im Vergleich zu Transnet deutlich kleineren GDBA ist für die Gründung der neuen Gewerkschaft noch ein außerordentlicher Gewerkschaftstag im Dezember notwendig. Die GDBA gehört im Gegensatz zur Transnet nicht dem DGB, sondern dem Deutschen Beamtenbund an. Bisherigen Mitgliedern der GDBA soll nach der Gründung der neuen DGB- Verkehrsgewerkschaft allerdings ermöglicht werden, auch weiterhin dem Beamtenbund anzugehören.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und ddp