Konjunktur US-Wirtschaft kehrt zurück zum Wachstum

Das US-Bruttoinlandsprodukt ist im dritten Quartal Schätzungen zufolge um 3,5 Prozent gestiegen. Damit bahnt sich das Ende der Rezession an, die seit Januar 2008 in den USA rund 7 Millionen Jobs gekostet hat. Sollte die Schätzung Bestand habe, wäre es das kräftigste Wachstum seit Herbst 2007. Die Börsen starten durch.

Washington - Nach der längsten Rezession seit acht Jahrzehnten ist die US-Wirtschaft im abgelaufenen Quartal wieder gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt der größten Wirtschaftsnation der Welt legte von Juli bis September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,5 Prozent zu, wie es in einer am Donnerstag vom US-Handelsministerium in Washington vorgestellten ersten Schätzung heißt. Zuvor war das BIP über vier Quartale hinweg geschrumpft.

Sollte die Schätzung der Konjunkturexperten Bestand haben, wäre es die höchste Wachstumsrate seit dem dritten Quartal 2007. Getragen wurde der Zuwachs vor allem von einem Anziehen der Konsumausgaben, die traditionell etwa zwei Drittel des US-Bruttoinlandsprodukts ausmachen. Diese Ausgaben seien um 3,4 Prozent gewachsen und hätten damit alleine 2,4 Prozentpunkte zum gesamten BIP-Wachstum beigetragen, teilte das Ministerium mit.

Die Investitionsausgaben nahmen der Schätzung zufolge nach sieben Quartalen Niedergang wieder zu und verzeichneten ein Plus von 11,5 Prozent. Die Immobilieninvestitionen legten um 23,4 Prozent zu. Auch sie waren zuvor dreieinhalb Jahre lang stetig gefallen. Negativ wirkte sich der Außenhandel auf die BIP-Gesamtentwicklung aus: Der Schätzung zufolge büßte das BIP im dritten Quartal wegen des Einbruchs beim Export 0,53 Punkte ein.

Die Schätzung lag deutlich über den Erwartungen der Analysten, die mit 3,2 Prozent gerechnet hatten. Der Frankfurter Börsenindex Dax  schnellte nach Bekanntgaben der Zahlen nach oben. Viele Analysten fürchten aber, dass die Konsumausgaben im vierten Quartal wieder sinken könnten, weil sich die Verbraucher wegen der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit und der weiteren konjunkturellen Unsicherheit Zurückhaltung auferlegen dürften.

Das Weiße Haus zeigte sich erleichtert über die Zahlen, warnte aber vor zu viel Optimismus. "Diese willkommene Wegmarke ist nur ein weiterer Schritt auf dem langen Weg zu einer vollständigen Erholung der Wirtschaft", erklärte Christina Roemer, die Vorsitzende des Wirtschaftsbeirats von US-Präsident Barack Obama. Roemer wies darauf hin, dass das umstrittene Konjunkturpaket der Regierung Obama zwischen drei und vier Prozentpunkte zum Quartalswachstum beigetragen habe.

Ein offizielles Ende der Rezession rief die US-Regierung zunächst nicht aus. Dies ist Aufgabe des Nationalen Büros für Wirtschaftsforschung (NBER), das für die Bestimmung von Konjunkturzyklen zuständig ist. Das Urteil der NBER-Experten dürfte noch einige Monate auf sich warten lassen, da zunächst große Datenmengen ausgewertet werden müssen. Den Beginn der gegenwärtigten Rezession hatte das Büro offiziell auf Dezember 2007 terminiert. Es ist die tiefste Rezession seit der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre.

manager-magazin.de mit Material von afp

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