Continental Sonderabschreibung verhagelt Ergebnis

Der Autozulieferer Conti muss im dritten Quartal einen Verlust von 912 Millionen Euro verkraften. Der mit Abstand größte Teil davon geht auf eine Wertberichtigung der Automotive-Sparten zurück. Dafür scheint es mit der Umschuldung des Konzerns endlich voranzugehen.

Hannover/Düsseldorf - Eine Sonderabschreibung hat dem Autozulieferer Continental  das Quartalsergebnis verhagelt. Aufgrund einer 876 Millionen Euro schweren außerordentlichen Abschreibung auf den Firmenwert der drei Automotive-Divisionen betrug der Verlust vor Zinsen und Steuern im dritten Quartal 912 Millionen Euro, wie der zweitgrößte deutsche Zulieferer mitteilte.

Im Vorjahreszeitraum war es ein Plus 163 Millionen Euro gewesen. Der um die Effekte aus Zukäufen bereinigte operative Gewinn betrug hingegen 413 (Vorjahresperiode: 319) Millionen Euro. Die geplante Kapitalerhöhung und die Refinanzierungsverhandlungen sollen spätestens zum Ende des ersten Quartals 2010 abgeschlossen sein, kündigte Conti an.

Die Nettofinanzschulden des Konzerns lagen am 30. September 2009 mit 9,46 Milliarden Euro um 1,34 Milliarden unter dem Niveau vom 30. September 2008. Die Kreditvereinbarungen würden auch im vierten Quartal eingehalten. Für das letzte Quartal 2009 rechnet Continental mit einer deutlichen Verbesserung der Umsätze und der operativen Ergebnisse gegenüber den Vorjahreswerten.

"Die geplanten Werkschließungen und die angekündigten Produktionsanpassungen werden im Konzern allerdings zu weiteren Restrukturierungsaufwendungen führen", so der Konzern. Im Vorjahresvergleich könne es deswegen weiterhin zu erheblichen Abweichungen kommen.

Der hochverschuldete Autozulieferer geht die zur Umschuldung dringend erforderliche Kapitalerhöhung in Milliardenhöhe an. Das Unternehmen hat am Mittwoch die Deutsche Bank und JPMorgan mit der Umsetzung der umstrittenen Kapitalmaßnahme beauftragt, wie aus Finanzkreisen zu erfahren war. Damit akzeptiere Großaktionär Schaeffler nun doch die Ausgabe neuer Aktien, gegen die er sich lange gewehrt hatte, weil sie seinen Conti-Anteil von bisher 90 Prozent verwässert.

Unternehmenskreisen zufolge ist Contis neuer Chefaufseher Wolfgang Reitzle für das jetzt höhere Tempo bei der Kapitalerhöhung verantwortlich. Der Streit über die Kapitalerhöhung hatte das Unternehmen über Monate gelähmt und Karl-Thomas Neumann im August den Job als Vorstandschef gekostet. Sein Nachfolger Elmar Degenhart kommt von Schaeffler und will eine gemeinsame Lösung zur Refinanzierung finden. Conti drücken fast zehn Milliarden Euro Schulden. Eine Kredittranche von 3,5 Milliarden Euro müssen die Niedersachsen im August 2010 ablösen.

Technisch wäre die Kapitalerhöhung über maximal 1,5 Milliarden Euro nun sogar noch in diesem Jahr möglich, praktisch wird sie im ersten Quartal 2010 erwartet, hieß es in dem Bericht. Schaeffler will das Thema mit der Refinanzierung der Conti-Kredite insgesamt verknüpfen. Die Gespräche mit den mehr als 50 Gläubigerbanken laufen. Conti leidet unter schlechter Bonität.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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