Deutsche Bank "Altlasten der Krise nach wie vor spürbar"

Die Deutsche Bank schreibt nur dank des ungebremsten Kapitalhungers von Staaten und Firmen Milliardengewinne. In dem vergleichsweise riskanten Kerngeschäft verdiente das Geldhaus ein Jahr nach dem Kollaps der US-Bank Lehman Brothers im dritten Quartal fast eine Milliarde Euro - trotz eines weiteren Abbaus von Risikopositionen.

Frankfurt am Main - Im Vorjahreszeitraum standen hier noch Verluste von 789 Millionen Euro zu Buche. Die Zahlen spiegeln die Ergebnisse großer Rivalen aus der Schweiz und den USA, die im Investmentbanking auch wieder Milliardengewinne machen.

Völlig abhaken will Bankchef Josef Ackermann die Finanzkrise aber noch nicht. "In manchen Geschäftsbereichen und Produktbereichen sind die Altlasten der Krise nach wie vor spürbar", warnte der Schweizer in dem am Donnerstag vorgelegten Quartalsbericht. "Das gesamtwirtschaftliche Umfeld ist nach wie vor anfällig." Daher reduziere die Deutsche Bank  ihre Risikopositionen im Handelsgeschäft weiter, auch wenn dies zu Lasten kurzfristiger Ertragszuwächse in einigen Segmenten gehe.

In dem Bericht bestätigte das Institut die in der Vorwoche bekanntgegeben Gewinne von 1,4 Milliarden Euro nach und 1,3 Milliarden Euro vor Steuern - auch dank steuerfreier Erträge etwa aus dem Verkauf von Beteiligungen.

Wie bereits in den vergangenen Quartalen verzichtete Ackermann auf eine konkrete Prognose. Die Bank gab sich aber zuversichtlich, dass sich die Konjunktur möglicherweise schneller erholt als noch vor einiger Zeit erwartet. Die Belastungen im Kreditgeschäft dürften daher in den nächsten sechs Monaten ihren Höhepunkt erreichen. Viele Experten erwarten noch im gesamten Jahr 2010 hohe Kreditausfälle. Im dritten Quartal verdoppelte die Bank die Risikovorsorge im Jahresvergleich auf 544 Millionen Euro. Im zweiten Quartal hatte das Geldhaus noch eine Milliarde Euro für Kreditausfälle zurückgelegt und damit einige Anleger verunsichert. Die Vorsorge im dritten Quartal fiel nun niedriger aus als von Analysten im Schnitt erwartet.

Hauptgrund für die satten Einnahmen im Investmentbanking von 4,4 Milliarden Euro waren der Verkauf und Handel mit Wertpapieren. Hier erlöste die Bank soviel wie noch nie in einem dritten Quartal, da Firmen und Staaten im Rekordvolumen Fremd- und Eigenkapital aufnahmen. Bei Aktienemissionen erwartet die Bank in den nächsten Monaten eine steigende Nachfrage, während sich die Anleihevolumina abschwächen dürften.

Anders als in den Vorquartalen schrieben alle Sparten der Deutschen Bank schwarze Zahlen. Im Vergleich zum Investmentbanking sind die Gewinne in der Vermögensverwaltung und im Privatkundengeschäft mit 134 beziehungsweise 149 Millionen Euro aber moderat.

Ackermann will diese Bereiche daher mit Zukäufen ausbauen, um die Abhängigkeit vom Kapitalmarktgeschäft zu verringern. So vereinbarte die Bank in dieser Woche den Kauf der auf wohlhabende Privatkunden spezialisierten Privatbank Sal. Oppenheim für gut eine Milliarde Euro. Zudem erwirbt die Deutsche Bank Teile des Firmenkundengeschäfts der niederländischen ABN Amro. Auch die Postbank  dürfte über kurz oder lang zu Ackermanns Imperium gehören.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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