Volkswagen Pokern um Karmann

Die Eigentümer des Autozulieferers Karmann blockieren die Rettung des Unternehmens, befinden die Arbeitnehmervertreter. So habe Volkswagen ein Interesse daran, Karmann zu kaufen und die Arbeitsplätze zu halten, die Eigner stünden dem aber mit überzogenen finanziellen Vorstellungen im Weg. Auch die Politik macht nun Druck.

Hannover - Eine Blockadehaltung der Karmann-Eigner verhindert aus Sicht der IG Metall die Rettung des insolventen Autozulieferers. Die Gespräche mit Volkswagen  kämen aufgrund der "völlig überzogenen finanziellen Forderungen" der Karmann-Gesellschafter nicht voran, erklärte IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine am Donnerstag. Hingegen hätten sich die Arbeitnehmer bereit gezeigt, große Opfer zu bringen.

"Wenn sich die (Eigner-) Familien nicht bewegen sollten, werden letztlich keine Arbeitsplätze gerettet werden können", sagte Meine. Es bestehe eine "hauchdünne Chance", dass auch künftig in Osnabrück Autos gebaut werden. "Sie darf von den Familien nicht kaputt gemacht werden."

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn hatte am Dienstag angekündigt, innerhalb der nächsten ein bis zwei Wochen eine Entscheidung zum künftigen Engagement des Konzerns bei dem Auftragsbauer Karmann zu fällen. "Wir sind in Niedersachsen sehr daran interessiert, dass Arbeitsplätze erhalten werden", hatte er erklärt.

Die Karmann-Besitzgesellschaft, der die Grundstücke und Maschinen des Unternehmens gehören, lehnte eine Stellungnahme ab. Aus dem Umfeld Gesellschafter hieß es, VW sei allein an den Vermögenswerten interessiert, nicht aber an den noch rund 800 Mitarbeitern.

Die SPD im niedersächsischen Landtag fordert für die jetzt gekündigten mehr als 700 Karmann-Mitarbeiter eine Transfergesellschaft. Nach dem Modell der Vergangenheit sollten sich Land und der Insolvenzverwalter für diese Qualifizierungsmaßnahme einsetzen, forderte der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Gerd Will, am Mittwoch. "Das ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass die jetzt betroffenen Arbeitnehmer nicht ins Bodenlose fallen", sagte Will. Hinter der Forderung stünden auch der Karmann-Betriebsrat und die örtliche IG Metall.

Außerdem erwarte die SPD, dass die Eigentümerfamilien bei den laufenden Verkaufsverhandlungen den Weg frei machen machen. "Die Karmänner sollen nicht pokern, sonst geht da eine letzte Chance kaputt für die restlichen 850 Arbeitsplätze", sagte Will. Aus dem verbleibenden Unternehmensrest könnte sich ein "Nukleus" für eine weitere Entwicklung ergeben. "Die Anteilseigner müssen sich im Klaren darüber sein, dass das auch ein Verlustspiel sein könnte", sagte Will.

Im Streit Karmanns mit dem Kunden Daimler  um unbezahlte Rechnungen ist eine Lösung weiterhin nicht in Sicht. "Die Gespräche dauern an", sagte ein Mercedes-Sprecher. Dabei geht es dem Autokonzern um eine "Gesamtlösung", bei der auch Fragen der Gewährleistung bei möglichen Kundenreklamationen geklärt werden müssten.

Nach Informationen der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Mittwoch) hat Mercedes inzwischen ein Angebot für eine Gesamtlösung auf den Tisch gelegt, das aber dem Insolvenzverwalter zu niedrig ist. Daimler schuldet Karmann Medienberichten zufolge aus laufenden und zurückliegenden Aufträgen eine zweistellige Millionensumme. "Der Eindruck, dass Daimler unbegründet offene Rechnungen nicht begleichen will, ist unzutreffend", sagte der Sprecher des Stuttgarter Konzerns. Zur Höhe der offenen Forderung wollte er sich nicht äußern. Karmann liefert Rohbauteile für den Mercedes SLK und das Dach für das E-Klasse Cabrio.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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